FSC-Papier: "Von drauß' vom Walde komm ich her..."
Jedes Jahr geht durch Forsteinschlag eine Waldfläche so groß wie Griechenland verloren. Nachhaltiger Umgang mit der natürlichen Ressource Holz ist nötig. Mit anerkannten FSC-COC-Zertifikaten stellt sich die Papier- und Druckindustrie der Verantwortung. Und damit auch die Auftraggeber von Printprodukten?

Von häufigem Schneefall waren in diesem Winter weite Teile Deutschlands betroffen. Schon in aller Herrgottsfrühe wurden die Wege für Fußgänger und Autofahrer frei geräumt. Nicht selten mit einem neuen Schneeschieber: Die Betroffenen kauften vielleicht die Schaufel mit einem nach FSC zertifizierten Holzstiel. Wer am Jahresende seine vier Wände mit dem Weihnachtsbaum schmückte, der erwarb damit eventuell ein nach FSC zertifiziertes Produkt. Und die "Heimwerker" der besonderen Art besorgten sich für ihren privaten Tintenstrahl- oder Laserdrucker DIN-A4-Büropapier. Ob noch unbewusst oder schon bewusst mit FSC-Label? Der natürliche Rohstoff der Papierindustrie "Von drauß' vom Walde komm ich her...". Nein, nicht Theodor Storms Knecht Ruprecht ist gemeint, sondern das Holz. Seit über 150 Jahren der Rohstoff der Papierindustrie für die holzfreien und holzhaltigen Papiere. Aus Holz werden der Holzstoff und der Zellstoff aufbereitet, d. h. die zur Papierherstellung so wichtigen Primärfasern. Darüber hinaus sind in der Papierindustrie die Sekundärfasern gefragt, die nach der Druckfarbenentfernung (De-inken), Reinigung und Sortierung (nach Faserlängen) aus Altpapier gewonnen werden. Altpapier zu recyceln ist keine Erfindung der Neuzeit. Für die Herstellung neuen Papiers soll schon im 14. Jahrhundert in der Nähe von Venedig bereits genutztes wieder verwendet worden sein. Heute kann Papier sogar mit dem höchst möglichen Anteil an Sekundärfasern, nämlich 100 %, erzeugt werden. Aber die Sekundärfasern sind nicht unbegrenzt wieder verwendbar. Forschung und Entwicklung gehen davon aus, dass diese Fasern nach drei- bis fünffachem Recycling nicht mehr brauchbar sind. Trotzdem, Altpapier ist und bleibt eine wichtige Quelle für die Papierherstellung. Der nachhaltige Umgang mit der Ressource Kürzlich beklagte die FAO (UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft), dass die Welt zwischen 2000 und 2005 pro Jahr rund 13 Mio. Hektar Wald durch Forsteinschlag verlor - soviel wie die Fläche Griechenlands oder etwas mehr als ein Drittel Deutschlands. Jährlich sind nur etwa 5,7 Mio. ha wieder aufgeforstet worden, das entspricht der Fläche Kroatiens. Oder ein Nettoverlust, der größer ist als die Republik Irland Fläche hat. Die gesamte Waldfläche beträgt ungefähr 3,6 Mrd. ha und nimmt damit ungefähr 30 % der Landfläche der Erde ein. Jedoch davon sind bisher nur 68,1 Mio. ha Wald nach FSC (siehe auch "FSC, COC und die positiven Auswirkungen") zertifiziert. Also ein Anteil von noch nicht einmal 2 %. Nicht viel, aber Ende 2003 waren es erst rund 40 Mio. ha Wald. Ende 2005 beträgt allein in Deutschland die nachhaltig bewirtschaftete Waldfläche 511.372 ha. Und immerhin setzen sich schon 371 Unternehmen für die kontrollierte Verwertung der Walderträge bis zum Verbraucher unter ökologischer und sozialer Rücksichtnahme ein. Nicht nur immer mehr "Hersteller und Händler von FSC-Papieren (Druck und Büro) in Deutschland" sowie "Ausländische Hersteller von Druck- und Büropapieren mit FSC-Zertifikat" sind mit von der Partie. Auch "Hersteller von FSC-Briefumschlägen und -Tüten in Deutschland" wirken mit. Desgleichen wächst die Anzahl der "Druckereien in Deutschland mit FSC-COC-Zertifikat". Die nennenswerte Zauberei der Briten Wie überall: "Promis" können guten Anliegen zur nötigen Aufmerksamkeit und oft auch zum Durchbruch verhelfen. Erst vor rund zehn Jahren brachte der 1993 ursprünglich "nur" zum Schutz der Tropenwälder gegründete Forest Stewardship Council (FSC) das Ökolabel auf den Markt. Prinz Charles, Herr über königliche Wälder in Großbritannien, war einer der ersten außerhalb tropischer Breitengrade, der die Zertifikatstauglichkeit nach FSC beantragte und erhielt. Von der Insel gingen weitere Impulse aus: Am 1. Oktober 2005 lag die deutsche Ausgabe von "Harry Potter und der Halbblutprinz" vor, der sechste Band über den Zauberer von der britischen Autorin Joanne K. Rowling. Für die Erstauflage von zwei Millionen Exemplaren ist eigens von der Cordier Spezialpapier GmbH/Papierfabrik Schleipen ein FSC-Papier mit Recycling-Fasern entwickelt worden: RC-Volumen. Initiator dieses Werkdruckpapiers ist der Carlsen Verlag, Hamburg. Begleitet wurde die Entwicklung durch Drucktests bei Claussen & Bosse in Leck, Ebner & Spiegel in Ulm und GGP Media in Pößneck. Diese Papierqualität wird aus 40 % Recyclingfasern und 60% FSC-zertifiziertem Zellstoff (also Primär- bzw. Frischfasern) hergestellt. Darüber hinaus lieferte die Mochenwangen Papier GmbH bereits mehrfach für Harry-Potter-Romane Werkdruckpapier. Für die in England gedruckte Originalausgabe des aktuellen Bandes "Harry Potter and the Half-Blood Prince" erhielt die deutsche Papierfabrik erstmals den Gesamtauftrag. Zum Einsatz gelangte die Mochenwangen-Qualität Pamo Super FSC. Dem Vernehmen nach setzt sich die Autorin persönlich für ein hohes Maß an Umweltschutz und Ressourcenschonung ein und fordert für ihre Bücher die Verwendung von FSC-zertifiziertem Papier. Ausblick Weil Banken, Versicherungen und Großverteiler vielfach unter dem Druck von Konsumentenorganisationen stehen, wächst in vielen Ländern der Bedarf an FSC-Papieren. Mit einem FSC-Label auf Briefen, Broschüren, Katalogen, Kundenmagazinen und anderen Druckerzeugnissen bringen Unternehmen und Organisationen ihre Bereitschaft zum Ausdruck, an nachhaltiger, also zukunftsfähiger Holzproduktion mitzuwirken. Zudem wird langfristig der Papierverbrauch weltweit pro Jahr und Kopf steigen. Der größte Wachstumsmarkt für Zellstoff, Papier und Pappe ist der asiatische. Noch liegt der Prokopf-Jahresverbrauch z. B. in China lediglich bei etwa einem Drittel im Vergleich zu jenem in Deutschland. Allein schon das hohe wirtschaftliche Potenzial lässt eine höhere Nachfrage nach den "Waldprodukten" Zellstoff und Papier erwarten. Auch die Investitionen westlicher Papierkonzerne in die Forstwirtschaft und Zellstofffabrikation weisen in diese Richtung. FSC-Papiere für Kopier- und Druckerzeugnisse zu nutzen heißt in erster Linie, dass die Holzherkunft des Zellstoffes aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft stammt, die Raubbau des Waldes und illegalen Einschlag ausschließt. Dies ist natürlich bei recyceltem Altpapier nicht der Fall, aber es werden dadurch Waldressourcen geschont. (Mehr und umfangreiche Tabellen über FSC-Papier-Anbieter und FSC-Drucker in Print 3/2006)

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