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Mo 21.11.11

Social Media und 3D im Printhouse Talk


Wie können Druckereien Social Media für ihr Marketing nutzen? Wie begegnen Druckanbieter der Marktsättigung bei Standardprodukten wie dem „16-Seiter in 4c“? Welche Chancen bestehen im Wettbewerb mit 3D-Spezialisten? Antworten auf diese Fragen gab der 6. printhouse talk der Akademie und des Verbandes Druck + Medien am 25.10. in Düsseldorf. Mit den Schwerpunkten "Social Media" und "3D" adressierte die Veranstaltung gleich zwei aktuelle Themenfelder und lieferte so zahlreiche Impulse zur geschäftlichen Neuausrichtung.


Die eingeladenen Experten zeigten anhand von Best-Practice-Beispielen, wie Druckereien 3-D-Anwendungen in ihr Portfolio einbinden können, um sich im Markt neu zu positionieren. Die eindeutige Botschaft der Experten aus ihrer erfolgreichen Praxis: Druckanbieter, die ihre klassische Vorstufenkompetenz um 3D-Know-how erweitern, können im Wettbewerb mit 3D-Spezialisten nachhaltig bestehen und so ein chancenreiches und margenstarkes Geschäftsfeld hinzugewinnen.

Eignen sich soziale Netzwerke im Internet als Werbe- und Vertriebsplattform für Druckereien? Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden? Diese Fragen einschließlich der rechtlichen Besonderheiten wurden eingehend beleuchtet. Gastreferent Oliver Schwarz von der Hans Soldan GmbH präsentierte dann einige Beispiele einer besonders erfolgreichen Vermarktung über Social Media – darunter auch das firmeneigene Juristen-Portal marktplatz-recht.de. Es zeigt, wie spezialisierte Druckdienstleister eine Zielgruppen-Community aufbauen können, deren Funktionalität das Angebot von Facebook und Xing noch übertrifft.

3D eröffnet neue geschäftliche Dimensionen
Im zweiten Teil des printhouse Talks vermittelte eine Expertenrunde einen Eindruck des Potenzials von 3D-Anwendungen für Druckanbieter – konkret an Beispielen aus der eigenen Praxis. So setzt Uwe Heruth, Geschäftsführer der Agentur Grafisches Zentrum Dortmund, 3D-Know-how erfolgreich zur Kundengewinnung ein. Bei der Präsentation von Konzepten für Messestände verwendet die Agentur 3D-Visualierungen zur perspektivischen Darstellung. „So können wir schnell auf Änderungswünsche der Kunden reagieren und erhöhen unsere Chancen, den Zuschlag zu bekommen“, erklärte Heruth.

Vor allem kleineren Druckbetrieben empfahl er, die technologische Entwicklung zu nutzen und sich zu spezialisieren: „Es ist die Aufgabe von Kleinbetrieben, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Machen wir es nicht, dann machen es andere“, so Heruth. Am Beispiel der Entwicklung eines Werbeobjekts zeigte er, wie mithilfe von Computer Generated Imaging (CGI) aus einer 2D-Darstellung zunächst eine 3D-Animation entsteht und schließlich ein reales Objekt mit Überraschungsfunktionalität entwickelt wird – im konkreten Fall eine plastifizierte Pop-up-Karte, die dem Endkunden zu einer Rücklaufquote von rund 30 Prozent verhalf.

Auch Norm Seidel von der Druckerei Schmidt GmbH & Co. KG in Lünen empfiehlt Druckanbietern, dem zunehmenden Preiswettkampf durch ein differenziertes Angebot zu begegnen. Die Verbindung klassischer Printprodukte mit 3D-Anwendungen biete dazu eine gute Gelegenheit. Als Beispiel präsentierte er eine aufwendig gestaltete Imagebroschüre seines Hauses, die neben integrierten QR-Codes zum einfachen Aufruf von Informationen per Smartphone-Webbrowser auch ein mit Augmented-Reality-Effekten belegtes Bild enthielt. Nach dem Einscannen mit einer Smartphone-Kamera wird das Bild auf dem Handy-Display eindrucksvoll um 3-D-Effekte ergänzt.

Potenzial von CGI für Druckereien bereits früh erkannt

„Das Bild war schon immer unser Kerngeschäft“, erklärte Alexander Hassan, Geschäftsführer der Graphic Group Mensch & Medien GmbH. Das Potenzial von CGI für klassische Druckereien hat das Unternehmen schon vor Jahren erkannt: „Wir haben uns 2007 für den Einstieg in das Geschäftsfeld 3D / CGI entschieden, 2009 haben wir Umsätze erzielt und 2010 Gewinne geschrieben. Der entsprechende Umsatzanteil ist von etwa fünf Prozent in 2009 auf knapp 13 Prozent in 2010 gestiegen. In diesem Jahr rechnen wir erneut mit einem starken Anstieg auf rund 18 Prozent am Gesamtumsatz.“ 90 Prozent der mithilfe von CGI entwickelten Produktabbildungen gehen in die Printproduktion.

„Man wächst ständig mit den Anforderungen“, beschrieb Klaus Finken, Geschäftsführer der LSD GmbH & Co. KG, die Erweiterung der Vorstufenkompetenz um 3D- und CGI-Know-how in seinem Unternehmen. Durch die Anbindung an die Packaging-Datenbank der Henkel AG hat sich das Kerngeschäft deutlich verlagert – inzwischen besteht Zugriff auf die CAD-Daten von rund 30.000 Verpackungen. Finken erwartet dennoch, dass CGI-Verfahren auch zukünftig die klassische Kreation von Bildmaterial über Fotostudios nicht ersetzen, sondern ergänzen werden.

Wann ist CGI für Kunden interessant?
Die Experten waren sich einig: Eine fotorealistische Visualisierung ist für Kunden vor allem dann eine attraktive Lösung, wenn es um Schnelligkeit und Effizienz geht. Denn durch die digitale Produktion virtueller „Mock-ups“ kann die Markteinführung deutlich beschleunigt werden. So wird beispielsweise die Erstellung von Produktkatalogen unabhängig von der Verfügbarkeit von Prototypen. Außerdem können Kunden Kosten sparen – vor allem, wenn kein eigener Showroom existiert, hoher Logistikaufwand für ein Fotoshooting entstehen würde oder ein Produkt in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlichen Materialien abgebildet werden soll. Einmal gerenderte CAD-Daten lassen sich mehrfach verwenden und bieten dabei den Vorteil einer konsistent hohen Qualität. Ganz gleich, ob es um das Einbringen des Bildmaterials in eine Print-Anzeige oder die Bereitstellung der Daten an Werbefilmer über das Internet geht – weltweit können alle Abnehmer aus einer Quelle bedient werden.

Was es kosten darf
Welche Investitionen mit dem Einstieg in das Geschäftsfeld 3D / CGI verbunden sind, erläuterte Tom Valk, Experte für Medienvorstufe und Webdesign in der Akademie Druck + Medien NRW. Für eine angemessene Gesamtausstattung mit einem leistungsfähigen Rechner inklusive der notwendigen Software sollten seiner Einschätzung nach rund 8.500 Euro eingeplant werden.

Was erfolgreiche Innovatoren auszeichnet
„Wir haben in den Markt hineingehört“ – so lautet eine typische Antwort innovativer Unternehmer auf die Frage nach ihrem Erfolg, berichtete Marion Rose von der Bergischen Universität Wuppertal, dem Partner des VDM NRW beim Projekt „Print goes Media –  NRW-Bildungs- und Innovationsoffensive konvergente Medien“. Rose erklärte, worauf Druckbetriebe achten sollten, wenn sie die Chancen nutzen wollen, die aus der Konvergenz der Medien entstehen. Neben der Beobachtung von Marktrends sei es vor allem wichtig, Kunden frühzeitig in die Ideengewinnung und Produktentwicklung einzubinden, eigene Schlüsselkompetenzen zu stärken sowie Kooperationen aufzubauen. Auch sollten Marketing und Vertrieb für jedes Geschäftsfeld angepasst werden.

Medialab und Weiterbildungsangebote nutzen
„Gehen Sie neue Wege“ forderte Akademieleiterin Simone Marhenke abschließend das printhouse talk Publikum auf und lud zu einem Besuch in das Medialab des VDM NRW ein. Dort besteht für Interessierte die Möglichkeit, sich mit 3D-Technologien auf Produktionsniveau vertraut zu machen. Ein mehrtägiger Grundlagenkurs der Akademie vermittelt Mediengestaltern erste CGI- Kenntnisse. Und auch beim Thema Social Media unterstützt die Akademie Druckdienstleister gezielt mit Seminaren für Einsteiger und Fortgeschrittene.