Di 15.11.16

Gutenberg-Symposium 2016 in Leipzig


Querdenken erlaubt – dazu forderten die Organisatoren und Referenten am 5. November 2016 die über 100 Besucher des 21. Gutenberg-Symposiums auf. Im Publikum waren viele bekannte Gesichter aus Industrie und Hochschule zu entdecken, auch emeritierte Kollegen und Absolventen, die inzwischen in anderen Fachgebieten tätig sind.

v. l. n. r.: Brigitte Witzer, Marc Liesching, Beatrix Genest. Foto: Jennes Hünniger


v. l. n. r.: Brigitte Witzer, Marc Liesching, Beatrix Genest. Foto: Jennes Hünniger

Was war und was bleibt? Diese Fragen stehen im 20. Jahr des Gutenberg-Symposiums auf der Titelfolie und leiten den Startvortrag ein.

Der ersten Frage stellte sich Frau Beatrix Genest, Sächsisches Institut für die Druckindustrie GmbH, Leipzig. Frau Genest moderiert seit 2008 die Veranstaltung, ist aktiv in der Vorbereitung involviert, wo es heißt Themen auszuwählen, Referenten zu generieren und Sponsoren zu suchen. Nun ließ sie die vergangenen 20 Vortragsreihen Revue passieren.

Ein bisschen Statistik vornweg: 20 Symposien, 4 Moderatoren, über 80 Vorträge. Der bunte Blumenstrauß an Themen reichte über sämtliche Prozesse, Materialien und Maschinen, streift Marketing und Management, Messtechnik und Branchenvernetzung.

Ein erheiternder Streifzug führte ins Detail der Titel und Untertitel, die „Mit Sicherheit glänzen“ (2011) und mit „Liebe, Lust und Leidenschaft“ die sinnliche Komponente des „Marketing in Druckereien“ (2008) ansprachen, um nur einige Beispiele herauszupicken.

Unter den Themen auch die „Untoten“ – Scheuerfestigkeit matt gestrichener Papiere (1996), das „Muss“ der Standardisierung (2003) oder die Zukunft der gedruckten Medien (2006). Sie sprechen Thematiken an, deren Relevanz in der alltäglichen Praxis wohl nie zu widerlegen ist.

Warum diese Bilanz? In dieser Form und an diesem Austragungsort Haus des Buches Leipzig wird es das Gutenberg-Symposium nicht mehr geben.

Prof. Dr. Marc Liesching, HTWK Leipzig, führte die Zuhörer auf den schmalen Grat deutscher Rechtssprechung. Persönlichkeitsrecht versus Kunst- und Meinungsfreiheit. Was dürfen Medien? Wo sind die Grenzen zwischen Erlaubtem und Verbotenem? Wo stößt das nach Grundgesetz, Artikel 5, garantierte Recht auf Meinungsfreiheit und Pressefreiheit an die Schranken allgemeiner Gesetze, etwa zum Schutze der Jugend oder der persönlichen Ehre? Und was ist in der Werbung erlaubt?

Gewürzt mit vielfältigen Beispielen und Erfahrungsberichten aus langjähriger juristischer Tätigkeit, machte der Referent aus dem trockenen und paragraphenlastigen Thema einen heiteren Cocktail, auch wenn die Sachverhalte selbst durchaus nicht witzig sind. Kein einfaches Ermessen für Richter, deren Entscheidungsurteil nicht mathematischen Gesetzmäßigkeiten folgen kann. Der Gerichtsprozess sei eines der letzten legalen Glücksspiele in Deutschland, so die abschließenden Worte, natürlich mit einem Augenzwinkern, denn nach wie vor gilt Deutschland als einer der Staaten mit der besten Rechtssprechung.

Mit Spannung wurde der Vortrag von Prof. Dr. Brigitte Witzer, ehemalige Dozentin an der Fakultät Medien, jetzt als Executive Coach tätig, erwartet. „In der Faulheit liegt die Kraft.“ Ob täglich gestresster Druckereileiter, Verpackungsentwickler, Professor oder der von einer Vorlesung zur anderen hetzende Student – die Zeit ist reif für neue Erkenntnisse: warum fleißig sein, wenn man mit Faulheit doch viel weiter kommt.

Große Probleme seien mit Fleiß nicht zu lösen, so die Referentin. Fleiß lenke von eigenen Defiziten ab, verstelle den Blick auf Wesentliches und lasse keinen Raum, Risiken zu erkennen und Problemlösungen anzugehen. Wichtiger als fleißig erworbenes Detailwissen ist das Erfassen von Zusammenhängen. Leicht gesagt, denn auch die Referentin selbst habe einige Zeit gebraucht, die einstige „Superbiene“ hinter sich zu lassen, Souveränität und Gelassenheit zu verinnerlichen und ein Gleichgewicht aus Tatendrang und „Faulheit“ zu erlangen. Und auch für die Zuhörer wird sich der Alltag ab dem nächsten Arbeitstag nicht schlagartig wandeln. Letztendlich ist ein gewisses Maß an Fleiß durchaus eine Voraussetzung für den Überblick über das Wesentliche und für die zündenden Ideen.

Und was bleibt? Noch wurde diese Frage nicht beantwortet. Prof. Dr. Lutz Engisch, HTWK Leipzig, stellt die Antwort vor. Eine Plattform für angeregten Austausch, den Blick über den Tellerrand und ein Wiedersehen mit Kollegen, wie sie das Gutenberg-Symposium geboten hat, wird es ab 2017 weiterhin geben. innoPRINT Leipzig heißt die neue Veranstaltung und soll sich als Netzwerk zwischen Studenten, Absolventen und Industrie etablieren. Die erste innoPRINT Leipzig startet gleich mit einem Jubiläum: 2017 begehen die Studiengänge Drucktechnik und Verpackungstechnik ihren 25. Jahrestag – ein idealer Anlass, sich in Leipzig wiederzutreffen.

Wir sehen uns am 11.11.2017 im Gutenberg-Bau, Gustav-Freytag-Straße 42. Seien Sie schon heute herzlich eingeladen!