Mi 21.06.17

Wie Druckdienstleister die digitale Transformation meistern


Das Obility-Anwendertreffen 2017 spannte thematisch einen weiten Bogen rund um die vielen Facetten der digitalen Transformation in der Druckbranche.


Die Obility-Geschäftsführer Werner Jung, Frank Siegel und Jens Pötz (von links nach rechts) hatten für das diesjährige Anwendertreffen ein ausgesprochen vielseitiges Programm vorbereitet.


Gut 80 Teilnehmer diskutierten auf dem diesjährigen Obility-Anwendertreffen, wie Druckdienstleister mit Hilfe der E-Business-Lösung Obility und vernetzter Produktion erfolgreich die Herausforderungen der digitalen Transformation meistern.


Voneinander lernen, miteinander profitieren: Das Networking am Abend und während der Pausen wird von den Teilnehmern traditionell für einen intensiven Informations- und Gedankenaustausch genutzt.

Unter dem Motto „Voneinander lernen, miteinander profitieren“ deckte das Obility-Anwendertreffen 2017 am 1. und 2. Juni in Höhr-Grenzhausen bei Koblenz ein ausgesprochen breites Themenspektrum rund um die digitale Transformation in der Druckbranche ab. Höhepunkte der eineinhalbtägigen Veranstaltung waren die Praxisberichte von NINO-Druck zu den Erfahrungen mit Web-to-Print und von mediaprint mauthe kalender Verlag zur Auftragsabwicklung im B2B-Umfeld mit dem Smart MIS Obility. Gespannt verfolgten die etwa 80 Teilnehmer auch die Präsentationen zu juristischen Fallstricken rund um die Online-Präsenz, zu den Folgen der umfassenden Digitalisierung aller unserer Lebensbereiche sowie die Möglichkeiten cloudbasierter Datenprüfung und -korrektur für Druckereien. Positiv an kamen bei den Besuchern auch die Vorträge zur enormen Bedeutung positiver Nutzererfahrung für den Erfolg von Online-Shops und zu den Möglichkeiten, die digitale Transformation mit einem effizienten Projektmanagement zu steuern. Last but not least zeigte Chili Publish-CEO Kevin Goeminne auf, wie der Online-Editor Chili Publisher die Möglichkeiten von Obility erweitern kann. Obility wiederum stellte die neuesten Funktionen seiner E-Business-Lösung vor und gab Einblicke in die aktuellen Entwicklungen.

„Die Digitalisierung ist derzeit wohl die größte Herausforderung für die Druckbranche. Das haben wir schon auf dem letzten Anwendertreffen vor zwei Jahren festgehalten, und daran hat sich nichts geändert“, stellte Obility-Geschäftsführer Frank Siegel in seiner Begrüßung der etwa 80 Teilnehmer fest. Generell sei der digitale Transformationsprozess in weiten Bereichen unseres Lebens sichtbar geworden. Wer habe beispielsweise noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten, dass sich Filmhersteller wie Agfa und Kodak eines Tages aus der Fotoindustrie verabschieden, Apple der größte Musikanbieter werde, Google Werbung machen und Facebook eine Banklizenz bekommen würde?

Siegel: „Die heute größte Akzidenzdruckerei wurde erst 2002 von einem branchenfremden Newcomer gegründet. Das allein zeigt: Der digitale Transformationsprozess macht auch vor der Druckindustrie nicht Halt. Diejenigen, die mit Obility zusammenarbeiten und heute hier im Raum sind, haben den Weg in ihre digitale Zukunft schon beschritten.“ Hersteller digitaler Lösungen und Druckdienstleister könnten und müssten dabei Hand in Hand arbeiten. Deshalb habe sein Unternehmen für diese Veranstaltung auch das Motto „Voneinander lernen, miteinander profitieren“ gewählt.

Marktführerschaft angestrebt
Obility verfolge das strategische Ziel, die führende Software für die Automatisierung des Print Business in Deutschland, Österreich und in der deutschsprachigen Schweiz zu werden. Vom Umfang der Funktionalität her gesehen sei Obility das schon länger. Im Hinblick auf die Marktdurchdringung dagegen sei das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Vor diesem Hintergrund habe das Unternehmen im vergangenen Jahr auch organisatorisch die Weichen auf weiteres Wachstum gestellt. Unter anderem habe man ein zweites Entwicklungs-Team gegründet und sich personell weiter verstärkt. „Wir wollen die Marktführerschaft erreichen, indem wir Ihnen helfen, Ihre Prozesse zu vereinfachen. So können Sie Ihren Kunden nicht nur Produkte, sondern vor allem auch Zeit- und Kostenersparnis verkaufen“, erklärte Siegel. Dabei sei Obility offen und vernetze sich sowohl mit Menschen als auch Systemen. Einfach Business einfach machen – so laute die Devise.

Gemeinsam präsentierten die drei Obility-Geschäftsführer Werner Jung, Jens Pötz und Frank Siegel die wichtigsten neuen Funktionen ihrer E-Business-Lösung und gaben Einblicke in die aktuellen Entwicklungen. Schwerpunkte sind unter anderem der weitere Ausbau der ERP/MIS-Funktionalität des Obility Release 5.0 hin zum ‚Smart MIS’, die Ausgabe von JDF-Daten, eine noch tiefere Integration des Chili Publishers des Kooperationspartners Chili Publish und zusätzliche Print-Shops mit vorbereiteten Oberflächen für neue Geschäftskonzepte. Diese schlüsselfertigen Web-Shops mit allen erforderlichen Funktionen ermöglichen Druckereien einen einfachen Einstieg in das Online-Geschäft mit Druckerzeugnissen und bieten ihnen gleichzeitig alle Optionen, ihre Print-Shops später je nach Erfolg beliebig auszubauen und anzupassen.

Gemeinsam mit Kunden weiterentwickeln
Viele Erweiterungen der Funktionalität von Obility sind in enger Zusammenarbeit mit Kunden entstanden. In diesem Zusammenhang kündigte Siegel für die zweite Jahreshälfte an, Kunden zu einem Workshop einzuladen, bei dem man gemeinsam über künftige bzw. erweiterte Funktionen nachdenken wolle. Auch hier soll der Fokus auf dem Thema Smart MIS liegen.

„Wir haben die Benutzerschnittstelle sowohl im Frontend als auch im Backend jetzt noch komfortabler und überschaubarer gestaltet“, nannte Jung ein Beispiel einer aktuellen Weiterentwicklung im neuen Release 5.0. Verbesserungen gibt es unter anderem auch beim 3D-Viewer, beim Schutz vor Hacker-Angriffen, bei der Protokollierung sowie hinsichtlich der Migration zu neuen Releases. Bei der MIS-Funktionalität wurden beispielsweise die Flexibilität beim Anlegen individueller Arbeitspläne erweitert sowie neue Möglichkeiten für den Einkauf und für das Arbeiten mit Produktionsplänen geschaffen.

Gerade auch bei der Integration verkaufsfördernder Module für Suchmaschinenoptimierung, Suchmaschinenwerbung und Cross-Selling in Web-to-Print-Shops hat Obility aus Sicht von Jung in den vergangenen zwei Jahren grundlegende Entwicklungsarbeit geleistet. „Wir haben Funktionen eines Content Management-Systems mit der Möglichkeit kombiniert, freie URLs zu vergeben und freien Content in Seiten einzuspielen.“ Pötz zeigte auf, wie Obility-Kunden mit dem SEO-Werkzeug (Search Engine Optimization) für ihre Shops eigenständig dauerhafte URL-Weiterleitungen (301) erstellen, wenn sie beispielsweise Produkte in eine andere Produktkategorie verschieben. Mit dem Ausweisen kanonischer Links wird Suchmaschinen angezeigt, welche Seite bei sich ähnelnden Inhalten indiziert werden soll, um Ranking-Verluste wegen mehrfach verwendeter Inhalte (Duplicate Content) zu vermeiden. „Suchmaschinen wie Google mögen Inhalte nicht, die unter mehreren URLs gleich verwendet werden. Sie filtern sie heraus und bewerten sie unter Umständen negativ“, betonte Pötz die Bedeutung. Kanonische Links verweisen auf die URLs, unter denen die ‚Originalseiten’ liegen, und vermeiden so negative Bewertungen. Zudem können Obility-Kunden mit Hilfe von Kurzlinks „sprechende URLs“ vergeben. Das heißt, sie können hier mit lesbaren Wörtern wie zum Beispiel Kategorie- oder Produktnamen statt mit technischen Kürzeln oder Datenbank-IDs arbeiten.

Etliche nützliche Informationen für den Alltag im Online-Business
Schlag auf Schlag lieferten die Referenten nützliche Tipps für Online-Drucker. Zum Beispiel brachte Dr. Martin Schirmbacher von Härting Rechtsanwälte aus Berlin die Teilnehmer mit seiner Präsentation „Alles, was Recht ist im Online-Shop“ in Sachen Allgemeine Geschäftsbedingungen und Abmahnungen zum Nachdenken. „AGBs sind für Online-Drucker nicht zwingend, aber sehr sinnvoll“, räumte der Jurist Zweifel aus, ob sich Shop-Betreiber mit dem Thema auseinandersetzen sollten, und unterstrich die Notwendigkeit des Double-Opt-In-Verfahrens: „Werbung per E-Mail ist nur zulässig, wenn ausdrückliche Einwilligungen der Empfänger vorliegen.“ Ansonsten riskierten Online-Drucker, zum Spielball von Rechtsanwaltskanzleien zu werden, die sich auf das Thema Abmahnungen spezialisiert haben und damit gewaltig Reibach machen.

Und während Prof. Dr. Bernhard Kölmel seine Zuhörer mit einem Ausblick darauf fesselte, wie sehr sich der technische Fortschritt in den kommenden Jahren noch beschleunigen wird, gab Jan Wambach von der Werbeagentur Eberle & Wollweber Communications den Teilnehmern die sieben Regeln positiver Nutzererfahrung in Online-Shops an die Hand. „Kunden müssen auf den ersten Blick erkennen können, warum sie gerade in diesem Shop kaufen sollen“, so einer seiner Hinweise. Und er trug die zehn häufigsten ‚E-Commerce-Fehler’ vor, denen das Online-Business letztlich eine durchschnittliche Abbruchrate von knapp 70 % verdankt.

Torsten Hertel und Dirk Simanek von T.HE Consulting präsentierten die komfortablen Möglichkeiten der cloudbasierten PDF-Datenprüfung mit vollautomatischer Datenkorrektur über ihr neues Portal mypreflight.cloud. Dieses wurde explizit für Betreiber von Online-Shops entwickelt, die auf Obility basieren. „Wir haben mypreflight.cloud für Druckdienstleister entwickelt, die sich hohe Investitionen in dedizierte Lösungen für die Überprüfung von Druckdaten ersparen wollen oder nicht leisten können“, betonte Simanek, dass die Lösung für Druckereien jeder Größe gedacht ist. Letztlich sind in dieses Portal die Erfahrungen eingeflossen, die ein großer Online-Drucker bei täglich tausenden Druckjobs in der Datenprüfung und -korrektur gesammelt hat. Anlässlich des Obility-Anwendertreffens ging mypreflight.cloud Anfang Juni an den Start. Siegel: „Wir sprechen hier über die Vorteile vernetzter Systeme in der Druckproduktion. Das Zusammenspiel von mypreflight.cloud mit Obility ist dafür ein ideales Beispiel.“

 


Aus der Praxis

NINO-Druck habe viel lernen müssen, schrieb Geschäftsführer Marcus Kalle den Teilnehmern des Anwendertreffens ins Stammbuch, dass der digitale Transformationsprozess seinem Unternehmen nicht in den Schoß gefallen sei. „Heute sind wir nicht mehr nur der Drucker, sondern werden von unseren Kunden als Mediendienstleister wahrgenommen“, so Kalle. Mit der Kompetenz, die sich NINO-Druck im Laufe der vergangenen zwei, drei Jahre angeeignet habe, sei das Unternehmen weniger vergleichbar geworden. „Wir sprechen mit unseren Kunden heute häufig nicht mehr über Druckerzeugnisse, sondern über umfangreiche Lösungen, mit denen sie in ihrem Drucksacheneinkauf Einsparungen erzielen.“ Dank verschiedener vorbereiteter Shop-Konzepte sei es NINO-Druck möglich, die Anforderungen der Kunden später schnell umzusetzen. Die dahinter stehenden Prozesse wiederum ermöglichen auch dem Druckdienstleister effizientere Abläufe. So profitieren beide Seiten. „Wir arbeiten heute nur noch mit Obility und Prinect. Weitere Software gibt es bei uns nicht mehr“, stellte Kalle fest.

mediaprint mauthe kalender verlag hat mit Obility verschiedene alte, aus der Historie verschiedener Übernahmen vorhandene Lösungen wie unter anderem zwei ältere ERP-Systeme abgelöst. „Wir haben heute ein MIS mit einer Datenbasis für alle Geschäftsprozesse. Wir sind sehr froh, dass wir gewechselt haben. Das war zwar ein harter Weg. Dafür haben wir heute in der gesamten Auftragsabwicklung von der Online-Bestellung bis zur Auslieferung aber vollkommene Transparenz“, brachte Geschäftsführer Dominik Haake den Nutzen für sein Unternehmen auf den Punkt. Das Ergebnis sei eine enorme Zeit- und Kostenersparnis. Dank der Offenheit von Obility habe mediaprint mauthe kalender verlag das eigenentwickelte CRM-System mühelos mit der E-Business-Print-Lösung integrieren können.

Das nächste Anwendertreffen kündigte Obility für Juni 2018 an.