Mi 06.09.17

Gesetzgeber plant digitale Barrieren für den Mittelstand


Ein jetzt vorgelegter Referentenentwurf des Bundesinnenministeriums zur elektronischen Rechnungsstellung im Auftragswesen des Bundes (E-Rech-VO) sieht vor, den Rechnungsverkehr von Unternehmen mit dem Bund zukünftig völlig auf den elektronischen Verkehr umzustellen. Mit der Verordnung werde die EU-Richtlinie 2014/55/EU in nationales Recht umgesetzt, heißt es in einer Stellungnahme des zuständigen Bundesministeriums.

Im Referentenentwurf wird die Umstellung auf elektronische Rechnungen derzeit als „alternativlos“ bezeichnet.

Damit besteht die große Gefahr, dass viele mittelständische Unternehmen bei der Auftragsvergabe der verschiedenen Bundesbehörden deutlich benachteiligt werden. Bei einer jüngst von Neopost veröffentlichten Unternehmensumfrage hat sich gezeigt, dass aktuell nur rund 20% vorwiegend größere Unternehmen im Stande sind, Dokumente elektronisch zu versenden. Bei fast 60% der Unternehmen besteht aktuell hingegen keine Möglichkeit den elektronischen Dokumentenversand in die bestehenden Unternehmensabläufe zu integrieren.

Wie hierzu ein Sprecher des VDBFs (Verband der deutschen Briefumschlagindustrie) ausführte, würden im Falle der Umsetzung dieses Referentenentwurfs neue digitale Barrieren für den Mittelstand errichtet. Es bestünde die Gefahr, dass sich viele kleinere Unternehmen wegen fehlender digitaler Infrastruktur nicht mehr an Ausschreibungen der Bundesbehörden beteiligen könnten. Nach Auffassung des Verbandes sollte aber jedes Unternehmen selbst entscheiden können, ob Rechnungen auf elektronischem Weg oder als gedrucktes Dokument verschickt werden. Nur so sei die von vielen immer wieder geforderte kommunikative Barrierefreiheit gewährleistet.

Aus diesem Grund unterstützt der VDBF auch das Aktionsbündnis „Keep me Posted“ (KMP) in dem sich verschiedene Verbände mit dem Ziel zusammengeschlossen haben, die Wahlfreiheit der Bürger zu erhalten. Unter dem Motto „Keep me Posted - ich entscheide“  tritt das Aktionsbündnis in Deutschland für die barrierefreie Kommunikation der Bürger ein. Der Konsument soll auch in Zukunft ohne Mehrkosten entscheiden können, ober er Dokumente auf elektronischem Weg oder als gedrucktes Dokument erhalten möchte.

Mehr Info unter: www.vdbf.org; www.keepmeposted.info