Home  > Nachrichten  > Drucktechnik 
Mo 15.11.10

PSO wird immer wichtiger


Nach über fünf Jahren erfreut sich die Zertifizierung von Vorstufen- und Druckbetrieben nach Prozessstandard Offsetdruck nicht nur einer ungebrochen großen, sondern sogar steigenden Nachfrage. Anfang des Jahres 2011 soll eine überarbeitete Version des von Fogra und BVDM entwickelten Standards verfügbar sein.


Anhand einer speziellen Testform wird der gesamte Arbeitsablauf von der Vorstufe, über die Druckformherstellung bis zum Druck sowie die korrekte Durchführung von Qualitätskontrollen überprüft.

Die Zertifizierung wurde von den Verbänden Druck und Medien gemeinsam mit der Fogra entwickelt. Aktuell besitzen ca. 400 Druck- und Medienunternehmen das Zertifikat. Davon stammen etwa 300 aus Deutschland. Auch international hat dieses Zertifizierungsmodell somit eine starke Anerkennung erlangt. In fast allen Teilen der Welt befinden sich mittlerweile Druckereien, die nach den Richtlinien der ISO 12647 zertifiziert wurden.
Mit dem zwei Jahre gültigen Zertifikat stellen Druckunternehmen intern einen reibungslosen Ablauf von der Datenerfassung bis zum fertigen Druckprodukt sicher. Nach außen dokumentieren sie ihre Qualitätsfähigkeit. So erhält der Betrieb nach bestandener Prüfung eine Urkunde und ein digitales Siegel zur Integration in Briefköpfe oder Internetseiten. Des Weiteren erfolgt die Aufnahme in eine Datenbank zertifizierter Unternehmen. Unter „www.pso-insider.de“ (zertifizierte Unternehmen/Datenbank) können qualitätsbewusste Auftraggeber und Agenturen zu jeder Zeit den aktuellen Stand einsehen und geeignete Druckereien in ihrer Nähe finden.
Während der Zertifizierungsprüfung befindet sich ein Mitarbeiter der Fogra oder der Landesverbände vor Ort, der anhand einer speziellen Testform den gesamten Arbeitsablauf von der Vorstufe, über die Druckformherstellung bis zum Druck sowie die korrekte Durchführung von Qualitätskontrollen überprüft. Die messtechnische Auswertung der Drucke auf Einhaltung des Prozessstandard Offsetdruck (ISO 12647) erfolgt entweder in der technischen Abteilung des zuständigen Landesverbandes oder in den Laborräumen der Fogra. Dabei fungieren die Institutionen gegenseitig als Co-Zertifizierer. Das bedeutet, dass eine von der Fogra vor Ort begleitete Prüfung zur Gegenmessung an den Verband weitergereicht wird und umgekehrt. Daher befinden sich auch zwei Unterschriften auf dem Zertifikat, an denen man das Original erkennen kann. Dieses „Vier-Augen-Prinzip“ erzeugt zwar einen zusätzlichen Aufwand, hat sich jedoch angesichts der großen Bedeutung für die Druckereien bestens bewährt.
Ein jährliches Audit sichert den gleichbleibenden Qualitätsstand der teilnehmenden Unternehmen. Zertifizierungen geben somit keinesfalls nur eine Momentaufnahme wieder, deren Bedeutung im Alltagsgeschäft verloren geht. Erfahrungsgemäß ist genau das Gegenteil der Fall: kein Unternehmen verlässt freiwillig den Qualitätsstandard, den es sich im Vorfeld einer Zertifizierung erarbeitet hat. Während des Audits werden vorhandene Schwachstellen aufgedeckt, technische Probleme besprochen und behoben sowie der aktuelle Stand des Unternehmens dokumentiert. Somit erhalten die Druckereien die nötige Sicherheit, sich nach wie vor auf dem hohen Stand der Zertifizierungsanforderungen zu befinden.
Der Prozessstandard Offsetdruck (PSO) kann auf eine lange gemeinsame Entwicklungsarbeit von Fogra und Bundesverband Druck und Medien zurückblicken. So wurden die qualitätsrelevanten Zusammenhänge von deren technischen Gremien bereits in den 70er Jahren erkannt und schrittweise in die Tat umgesetzt. Mit Unterstützung des bvdm wurden Mitte der 80er Jahre Arbeitgruppen unter der Leitung der Fogra ins Leben gerufen, die das neu entwickelte Standardisierungskonzept auf internationale Ebene hoben. So entstand schließlich die Normenreihe ISO 12647.
Der PSO und die ISO 12647 werden seitdem regelmäßig überarbeitet und an aktuelle Entwicklungen der Druckbranche angepasst. Dies erfolgt zum großen Teil auf Basis von Fogra-Forschungsprojekten, die vom BVDM, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie gefördert werden. Beispielsweise wurden kürzlich Regeln für den standardisierten Arbeitsablauf mit nichtperiodischen Rastern erarbeitet. Diese werden in eine Neuauflage des PSO integriert, die Anfang 2011 vom BVDM veröffentlicht wird.
Die gemeinsamen Zertifizierungen der Druck- und Medienverbände mit der Fogra stammen somit aus erster Hand, nämlich von den Erschaffern des Standardisierungskonzepts im Offsetdruck. Durch die aktive Mitarbeit in den nationalen und internationalen Normungsgremien sind beide Institutionen stets am Puls der Zeit und können neue Erkenntnisse schnell und praxisgerecht in ihr Prüfungsprogramm einfließen lassen. Dies kommt letztendlich der gesamten Druckbranche zugute.