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Mo 29.08.11

Wasserloser Offsetdruck - Neues vom ewigen Talent


Die Auflagen sinken, die Anforderungen an den Umweltschutz steigen – eigentlich gute Voraus¬setzungen für einen Aufschwung des wasserlosen Offsetdrucks. Doch selbst Experten haben daran ihre Zweifel.


Der wasserlose Offsetdruck (WLO) ist ein kleiner, aber feiner Nischenmarkt. So hat die European Waterless Printing Association (EWPA) gerade einmal 50 Mitglieder und die derzeit beliebteste deutsche Druckmaschine für diese Technik, die Rollenmaschine Cortina von KBA, ist weltweit nur in 18 Zeitungshäusern im Einsatz. Diese überschaubaren Zahlen sind dem Stolperstart dieser Technologie und der weit verbreiteten Unkenntnis ihrer Vor- und Nachteile geschuldet. Die Zeit scheint jedoch für das „trockene Verfahren“ zu arbeiten.

Kurzer Rückblick
Als Urvater des WLO gilt der ­Konstrukteur der ersten deutschen Offsetdruckmachine Caspar Hermann, der ab 1926 erste Versuche ­unternahm, ein Flachdruckverfahren ohne Feuchtmittel zu entwickeln. Der Durchbruch gelang allerdings Heinrich Renck, der 1931 die erste Druckplatte für den Zeitungsrotationsdruck ohne Feuchtmittel zum Patent anmeldete. 1967 brachten die beiden amerikanischen Unternehmen 3M und ­Geipe fast zeitgleich die ersten wasserlosen Druckplatten auf den Markt. 3M bezeichnete das Verfahren als Driographie und meldete es zum Patent an. Die Aluminiumplatten waren jedoch höchst kratzempfindlich und so verkaufte 3M das Patent an das japanische Unternehmen Toray, das daraufhin über viele Jahre eine Monopolstellung inne hatte und für eine stärkere Verbreitung des Verfahrens in Japan sorgte. Seit dem Auslaufen des Patents ist der Markt in Bewegung. So hat Heidelberger 1991 mit der GTO-DI erstmals eine wasserlos arbeitende Bogenmaschine auf den Markt gebracht, die Platten des amerikanischen Herstellers Presstek verwendet, die innerhalb der Maschine bebildert werden. Parallel dazu begann KBA neue Maschinenkonzepte zu entwickeln, z.B. die Bogenmaschinen Genius, Karat und Rapida 74G sowie die bereits erwähnte Rotationsmaschine Cortina. Die Badische Zeitung setzte diese als erste ein und gewann 2008 den Preis für den weltweit besten Zeitungsdruck.

So funktioniert es
Beim WLO handelt es sich, wie bei seinem nassen Pendant, um ein Flachdruckverfahren mit indirektem Farbauftrag. Bei beiden werden die druckenden Stellen der Druckplatte mit Farbe benetzt, die nicht druckenden dagegen nicht. Beim WLO werden die Platten allerdings mit einer dünnen Silikonschicht beschichtet, die keine Farbe aufnimmt. Deshalb ist beim WLO kein Wasser nötig, um die ­druckenden und nicht druckenden Stellen zu trennen. Dies ist einer der entscheidenden Punkte, denn Feuchtmittel sind ein ökologisches Problem, weil nicht mit Leitungswasser gedruckt wird, sondern mit einer Mischung aus Wasser und verschiedenen chemischen Zusätzen, unter anderem Isopropanol. Hinzu kommt, dass die Herstellung der exakten Farb-Wasser-Balance im konventionellen Offsetdruck mit Maschinenlaufzeit und Personalaufwand verbunden ist und zu einer Makulaturproduktion führt, die sich im WLO um etwa 30–60% senken lässt.
Die Platten können fotomechanisch durch das Verfestigen (Positivkopie) oder das Ablösen (Negativkopie) der Silikonschicht, aber auch mit Laserstrahlen (IR-Laser) belichtet werden (negativ). Diese thermische Belichtung ist die am schärfsten zeichnende Bebilderungstechnik, was den WLO für den Einsatz von Feinrastern prädestiniert. Die dadurch erreichbare Druckqualität ist ein weiteres Top-Argument für das ewige Talent.

PRO
+          hohe Prozess-Stabilität
+          geringe Anfahrmakulatur
+          weniger Farbverbrauch
+          kein Papierquellen
+          weniger Passerprobleme
+          bessere Verdruckbarkeit von ­Breitbahn
+          keine Farbzonenvoreinstellung und Fan-Out-Korrektur
+          dickere Farbschichten möglich
+          keine Korrosion von Metallfarben
+          bessere Feinzeichnung
+          geringere Tonwertzunahme
+          Eignung für besonders feine Raster, FM-Raster, periodische Raster und feine Negativschriften in Vollton­flächen
+          einfachere, leisere und kleinere ­Maschinen
+          geringerer Wartungs- und Reinigungsaufwand
+          keine Korrosion von Stahlteilen
+          keine Aufbereitung, Kontrolle und Entsorgung des Feuchtmittels
+          reduzierte Staubbelastung
+          reduzierte Emissionen
+          Gummieren der Platten nicht ­notwendig

Kontra
–          Platten sind teurer und kratz­empfindlich
–          Platten sind schwer zu korrigieren
–          Druckfarben sind teurer, nicht alle Farbtöne verfügbar, teilweise ­besondere Bindemittel in den ­Farben nötig
–          zuweilen sind hochzügige Farben nötig
–          zuweilen ist der Zusatz von ­Silikonöl nötig
–          Druckprozess ist temperatur­empfindlich
–          Kühlung der Maschine notwendig
–          Ausgerupfte Papierfasern werden nicht abtransportiert, dadurch mehr Butzen

Die neue Cortina-Drucklinie der ­Mediengruppe Rheinische Post ist ausgelegt für Bahnbreiten bis 1400 mm und eine Produktionsgeschwindigkeit von 40.000 Zeitungen pro Stunde.
WLO-UV-Tipp: Das UV-Quickstart-System wird nur betrieben wenn auch gedruckt wird. Die Eigenentwicklung der KÜHNAST Strahlungstechnik GmbH aus Wächtersbach in Hessen spart Strom- und Verschleißkosten. (www.uv-technology.de)
Mehr erfahren: Den Praxisleitfaden „Wasserloser Bogen- und Rollenoffsetdruck“ (125 Seiten) kann man im Internet unter www.ewpa.org bestellen.