Fr 23.10.09

Mehr als nur ein Konservenmaterial der Kommunikation


Papier ist der Bedruckstoff für Zeitungen, Zeitschriften, Sonder- und Werbebeilagen. Jedes Druckpapierblatt ist einzigartig, verfügt nicht nur über zwei Seiten.

Die Qual der Papierwahl macht vor Presse- und Werbeerzeugnissen nicht Halt.


Die Qual der Papierwahl macht vor Presse- und Werbeerzeugnissen nicht Halt.

Auch jede Sorte im Rollenformat für Coldset-, Heatset- und Tiefdruck-Produktionen hat Charakter. Wer liefert also was für welches Druckverfahren? Über die Sortenvielfalt einen vollständigen Überblick geben zu wollen, wäre mehr als vermessen. Dennoch ist das hier vorgestellte Tabellenwerk über europäische Anbieter eine Art Marktübersicht, die als Ansatz für die Qual der Papierwahl dienen soll. Am besten verschafft man sich bei den Papierherstellern bzw. ihren deutschen Verkaufsniederlassungen Rat und Muster. Die in Frage kommenden Betriebe des Zeitungsoffset-, Illustrationsrollenoffset- und Tiefdrucks bevorzugen nicht selten bestimmte Papiersorten und Flächengewichte weniger Papierfabrikanten. Darum sollte man sich auch nach deren Präferenzen erkundigen. Charaktersachen Denn: Rollenpapier ist mehr als nur ein Konservenmaterial der Kommunikation. Schließlich wird die Qualität von verschiedenen Faktoren wie Reißfestigkeit, Stoff- und Oberflächenbeschaffenheit sowie Reproduktionsfähigkeit bestimmt. Der Charakter eines Papiers, das für das (die) jeweilige(n) Druckverfahren passend hergestellt wird, ist das mitgestaltende und beeinflussende Element einer jeden Presse- und Werbe-Drucksache. Da Punktzuwachs, Rasterweite und Druckdichte sich auf die Druckqualität auswirken, sind vom Gestalter die bei verschiedenen Papieren empfohlenen Rasterweiten zu beachten. Dem Verwendungszweck gerecht zu werden, wird letzten Endes ein Kompromiss sein zwischen den Vorstellungen des Gestalters und den Wünschen des Kunden unter Berücksichtigung der Preisvorstellung sowie der druck- und verarbeitungstechnischen Machbarkeit. Nicht zuletzt deshalb werden unzählige Papiersorten mit differenzierten Eigenschaften und für unterschiedliche Anwendungen hergestellt. Hier reicht die Bandbreite vom Zeitungsdruckpapier bis hin zur gestrichenen, holzfreien Sorte für hochwertige Zeitschriften. Anwendungsbereiche Holzhaltige und altpapierhaltige Sorten eignen sich für Massenauflagen; für Magazine, die dem Luxus frönen, sind sie nicht unbedingt empfehlenswert. Es können sowohl holzhaltige als auch holzfreie Papiere gestrichen sein. Je nachdem, ob text- oder bildlastige Presse- und Werbeerzeugnisse gedruckt werden sollen, ist die Oberfläche vorzugsweise rau, geglättet oder gestrichen. Maschinenglatt ist die vornehme Umschreibung für raues, satiniertes Papier: es ist sozusagen "gebügelt" worden. Gestrichene holzfreie Papiere (WFC) werden für hochwertige Zeitschriften und Zeitungsbeilagen eingesetzt, ebenso die ungestrichenen holzfreien (WFU). Bei den gestrichenen holzhaltigen Sorten (MWC, LWC) mit Markennamen sind ebenfalls viele für anspruchsvolle Magazine, Fachzeitschriften, Zeitungsbeilagen und Supplements geeignet. LWC-Papier, das sich wegen seines Glanzes und seiner Weiße das Marktsegment der Zeitschriften mit hohem Anzeigenanteil erobert hat, wird häufig auch für Versandhauskataloge eingesetzt. Vor einigen Jahren erhielt es den Beinamen "Papier des Werbungtreibenden". Desgleichen ist das Angebot an ungestrichenen holzhaltigen Papieren (SC, MFS) für die gleichen Anwendungsbereiche groß, jedoch mit etwas geringerem Anspruch an die Wertigkeit. Die Bildwiedergabe ist bei den glänzenden Papieren besser, bei den matten Papieren die Lesbarkeit. Sowohl matt gestrichene holzhaltige als auch ungestrichene holzfreie Papiere eignen sich für den Druck von Bildern. Und wie relativ weiß Weiß ist, merkt man spätestens im Vergleich mehrerer weißer Sorten. Zeitungs- bzw. Coldsetdruckpapiere gehören zu den mengenmäßig weit verbreiteten Papiersorten. Für Zeitungsdruckereien haben sich in den letzten zehn Jahren, speziell auch mit besseren Papiersorten neue Möglichkeiten aufgetan, auf ihren bestehenden und vor allem neuen Zeitungsrotationen außer Tagesmedien auch Wochen- und Monatsmagazine sowie Kataloge und Sonderbeilagen im Coldset oder kombiniert in Cold- und Heatset zu produzieren. Das neueste Highlight ist gar der wasserlose Zeitungsoffsetdruck, der sehr hohe Qualitätsansprüche der Werbewirtschaft zu erfüllen in der Lage ist. Firmenblitzlichter Cartiere Burgo, Teil der Burgo-Marchi-Gruppe, ist vor 102 Jahren vom Elektroingenieur Luigi Burgo in Verzuolo/I gegründet worden, um das von ihm erbaute Strom- und Wasserwerk besser nutzen zu können. Auf dem europäischen Markt ist Burgo ein Begriff mit seinen gestrichenen Sorten für den Rollenoffset- und Tiefdruck, zudem der größte italienische Hersteller von Zeitungspapier. Als Mitglied der Initiative Pro Recyclingpapier zählt die Papierfabrik Hainsberg GmbH in Sachsen zu den renommierten deutschen Herstellen von Papierqualitäten auf Recyclingbasis. Von der auch für den Rollenoffsetdruck angebotenen Papierfamilie werden jährlich auf einer Papiermaschine rund 40.000 Tonnen hergestellt. Seit bald 100 Jahren ist die Papierfabrik Hermes im Hafengelände von Düsseldorf ansässig. Noch bevor Recycling ein Begriff war, führte Hermes Altpapier in den Produktionskreislauf zurück. Die moderne Recycling-Papierfabrik, die seit Juli 2003 zur Curtis Gruppe gehört, konzentriert sich auf die Produktion hochwertiger Sorten aus 100 % Altpapier, u.a. für den Druck auf Cold- und Heatset-Rotationen. Holmen Paper verfügt in seinen drei schwedischen Papierfabriken und in der spanischen Fabrik über eine jährliche Gesamtproduktionskapazität von ca. 2,1 Millionen Tonnen. Nebst den Telefonbuch- und Werkdruckpapiersorten werden holzhaltige Zeitungs-, Magazin- und Beilagenpapiere für den Zeitungs-, Rollenoffset- und Tiefdruck hergestellt. (Mehr in Print 9/2007)