Fr 23.10.09

"Nicht immer, aber immer öfter"


Nachhaltige Forstwirtschaft kommt im Förderungsprogramm zur Walddokumentation zum Ausdruck, kurz PEFC genannt. Durch Zertifizierung der Lieferkette vom Holz des Waldes über den Zellstoff bis zum Papier des Druckerzeugnisses tragen alle Beteiligten zur Verbesserung der Umweltsituation bei.

Das PEFC-Label steht für "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes", ein internationales Förderprogramm zur Walddokumentation.


Das PEFC-Label steht für "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes", ein internationales Förderprogramm zur Walddokumentation.

Die Abkürzung PEFC steht für "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes", ursprünglich für "Pan European Forest Certification". 1998 von skandinavischen, französischen, österreichischen und deutschen Waldbesitzern zusammen mit Vertretern der Holzwirtschaft initiiert, entwickelte sich PEFC zu einer weltweit großen Dachorganisation für Forstzertifizierungssysteme mit Sitz in Luxembourg. Mit ihrem Umweltzeichen befindet sich die Organisation in Konkurrenz mit dem FSC-Label, je länger je mehr auch bei den Papieren. Nicht nur der Papierhändler Antalis GmbH, Köln, sieht da zwei vergleichbare Zertifizierungsarten, die beide als Grundprinzip auf nachhaltige Forstwirtschaft und die Rückverfolgbarkeit der Produkte in der Lieferkette setzen. Die Verantwortung der Selbstdisziplin "Das Gute an solchen Labels ist", schreibt Urs Ziegler, Geschäftsleitungsmitglied der Ziegler Papier AG, Grellingen/CH, im Kundenmagazin Z-Info 04/2005, "dass sie den Einsatz von Holz aus nachhaltig geförderten Wäldern vorantreiben. Damit behindern sie den Raubbau von natürlichen Ressourcen. Das Schlechte ist, dass sie sehr beschränkte Zielsetzungen haben und nicht auf das Gesamte schauen. Mit anderen Worten, der Umwelt wäre mehr gedient, wenn alle Industriebetriebe der Welt nach dem Umweltmanagementsystem ISO 14001 verfahren würden. Dieses zwingt den Produzenten nämlich zu umweltrelevanten Verbesserungen in allen und nicht nur in vereinzelten Bereichen." In diesem Beitrag meint Urs Ziegler auch, da das PEFC-Label aus der Wirtschaft komme, FSC weiterhin die Nase vorn haben werde, "weil die Konsumenten lieber an eine unabhängige Non-Profit-Organisation glauben als an die Selbstdisziplin der Industrie." In einem Leserbrief in Print & Produktion 5/2006 bemerkte - als Replik auf das FSC-Thema "Von drauß' vom Walde komm ich her..." in der Ausgabe 3/2006 - der Geschäftsführer der Salzer Papier GmbH, St. Pölten/A, dass es in Österreich de facto keine FSC-zertifizierte Waldfläche gäbe. Bei dieser Papierfabrik, die sowohl nach FSC als auch nach PEFC zertifiziert ist, führt "die einseitige mediale Forcierung von FSC (...) dazu, dass wir vermehrt FSC-Zellstoffe aus Südamerika und Skandinavien an Stelle der Nutzung westeuropäischer oder lokaler PEFC-Ressourcen einsetzen müssen, um die Nachfrage bedienen zu können. Ob dies ökologisch sinnvoll ist, kann wahrlich diskutiert werden..." Das PEFC wird von unabhängigen Einrichtungen in aller Welt auf nationaler und regionaler Ebene erfüllt. Zu den PEFC-Mitgliedern in den Ländern gehören u.a. CSA in Kanada, FFCS in Finnland, Living Forest in Norwegen und UKWAS in Großbritannien, nebst den nationalen Organisationen PEFC Deutschland e.V., Stuttgart, PEFC Austria, Wien, usw. "Die vertretenen Grundsätze - eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes - sind ähnlich wie beim FSC. Aufgrund seines regionalen Ansatzes ist das PEFC kosteneffizient und auch für kleinere Familienforstbetriebe geeignet", heißt es in der von Schneidersöhne Deutschland GmbH & Co. KG, Ettlingen, herausgegebenen Broschüre "Verantwortung tragen - Zeichen setzen". Und weiter: "Dabei zeigt sich das PEFC offen für die Anerkennung anderer forstlicher Zertifizierungssysteme in- und außerhalb Europas, sofern sie ebenfalls glaubwürdig, freiwillig und transparent sind. Wegen dieser umfangreicheren Verbreitung stehen wesentlich mehr PEFC-zertifizierte Holz- und Papiermengen zur Verfügung als FSC-zertifizierte." Kein schlechter Wert Das PEFC-Logo darf auf den Produkten nur dann in Erscheinung treten, wenn mehr als 70% des darin enthaltenen Holzes bzw. Zellstoffes nach PEFC zertifiziert ist. Dabei kann in der CoC-Produktkette (Chain-of-Custody) das Holz nach dem Prinzip Input-Output oder aufgrund physischer Trennung bilanziert worden sein. Und beim nicht zertifizierten Anteil muss der Nachweis erbracht werden, dass das Holz nicht aus einer illegalen Quelle stammt. Im Übrigen sind mit Stand 1. Januar 2006 über 7,1 Mio. Hektar (exakt 7.113.736 ha) bzw. 64% der gesamten Waldfläche Deutschlands nach PEFC zertifiziert (und 511.372 ha nach FSC). Natürlich erbringen auch die Zellstoffproduzenten den Nachweis der PEFC-Zertifizierung, u.a. in Chile, Finnland, Portugal, Spanien und Tschechien. Darüber hinaus haben z.B. in Deutschland die Firmen Thosca Holz GmbH, Hösbach (ein Unternehmen von Metsäliitto/FIN und SCA/S), Zellstoff Stendal GmbH, Arneburg, und Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH & Co. KG, Blankenstein (beide Firmen gehören zur amerikanisch-kanadischen Mercer International Group), das PEFC-Chain-of-custody-Zertifikat erworben. Die Zellstoff Stendal, die im Juli 2005 die Produktion aufnahm, ist der modernste und mit 550.000 Tonnen jährlich der größte Hersteller von Langfaserzellstoff (ECF und TCF) in Mitteleuropa. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Rohholz, nämlich rund 3 Mio. Kubikmeter, davon etwa 70% Kiefer als Rundholz und 30% Fichte als Hackschnitzel. Dieser Rohstoff stammt aus einem Umkreis von ca. 300 km aus Ost- und Süddeutschland. Die erwähnte Metsäliitto ist eine Kooperation von 130.000 privaten Waldbesitzern in Finnland. Sie sind auch größtenteils die Eigentümer des Papierkonzerns M-Real, der einerseits pro Jahr rund 14 Mio. Kubikmeter Holz verbraucht und andererseits ca. 5,9 Mio. Tonnen Papier und Karton produziert. Und etwa 63% des von M-Real genutzten Holzes ist bereits zertifiziert. Kein schlechter Wert angesichts der Tatsache, dass erst 7% der weltweiten Waldfläche ein Chain-of-Custody-Zertifikat (PEFC, FSC u.a.) hat. Im Übrigen sind auch alle 21 Fabrikationsstandorte von M-real in Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Schweden und in der Schweiz in den zertifizierten Herkunftsnachweis nach PEFC und FSC eingebunden. Stora Enso, Finnlands (und der Welt) größter Papierkonzern, verarbeitet im Jahr 2004 insgesamt 46 Mio. Kubikmeter Holz (davon 48% aus zertifizierten Wäldern) und stellt 14,6 Mio. Tonnen Papier und Karton her. Der dritte im Bunde der großen finnischen Papierkonzerne, UPM, produziert 2005 insgesamt 12,6 Mio. Tonnen Papier. Bei UPM beträgt der Selbstversorgungsgrad an Zellstoff knapp 90%. Und der Konzern hat einen Holzrohstoffverbrauch von 22,9 Mio. Kubikmeter. Alle konzerneigenen Wälder sind zertifiziert. (Mehr und eine tabellarische Übersicht mit PEFC-zertifizierten Papier- und Druckunternehmen in Print 10/2006)