»Wie schätzen Sie die geplante Urheberrechtsreform ein?«



Hans-Georg Wenke


Hans-Georg Wenke

Hans-Georg Wenke:

„Apfelurheberrecht: Zwei Gärtner züchten neue Apfelsorten. Der eine klaut dem anderen die Äpfel und verkauft sie als die seinen. Das ist illegal; wäre der Apfel geistiges Werk: Urheberrechtsverletzung. 

Er kauft Nachbars neuen Apfel und lässt ihn Kunden kosten, um seine eigene Sorte als noch besser anzupreisen: Urheberrechtsverletzung? – Oder ein copyrightfreies Zitat, wie man bei Texten sagen würde?

Und überhaupt: Wessen Werk ist eigentlich der Apfel? Der Baum hat Blüten, Bienen bestäuben die Sorten planlos. Es regnet, die Sonne scheint: Energie lässt den Apfel wachsen. Im Boden graben Würmer und Mikroben, schleimen Pilze und spalten sich Erden zu mineraligen Molekülen, aus denen die Substanz des Wachstums wird. Da sind ja auch noch die Gene, die das Wie und Was des konkreten Apfels hauptsächlich bestimmen. Ist der Baum wirklich Apfel-Urheber?

Der Apfel – schon einmal Sündenfall par excellence – als „geistiges Produkt“ verstanden: Wie kann man überhaupt einen Urheber ausmachen, wenn der Autor selbst durch unzählige Quellen und viele Hilfe gelehrt und inspiriert wurde, das Konkrete zu formulieren? Und wie will ein Verlag Urheber sein, da er nicht mehr ist als ein monetäres Konstrukt zur Bezahlung von Autoren? 

Die jetzige Urheberrechtsreform: Die Vertreibung aus dem Paradies der Freiheit des Publizieren. 

Ein politisches Machtkonstrukt, das die Realität völlig ignoriert.“