»Wie bewerten Sie den erreichten Tarifabschluss und was bedeutet dieser für die Druck- und Medienunternehmen in Deutschland?«



Sönke Boyens, Verhandlungsführer des bvdm


Sönke Boyens, Verhandlungsführer des bvdm

Sönke Boyens, Verhandlungsführer des bvdm:

Die Mitarbeiter haben nachvollziehbare Erwartungen an ihre Reallohnentwicklung. Gleichzeitig kämpfen die Betriebe mit starken Preissteigerungen auf der Einkaufsseite. Die Branche profitiert vom gesamtgesellschaftlichen Wachstum seit Jahren nicht mehr. Die Lohnerhöhungen sind deshalb fair und verantwortungsvoll. Das Ergebnis bringt den Arbeitnehmern Kaufkrafterhalt, während die Betriebe drei Jahre Planungssicherheit erhalten auf einem, verglichen mit prosperierenden Branchen, verträglichen Niveau. Außerdem konnten wir den bundesweit einheitlichen Flächentarifvertrag im Lohn erhalten, an dem ver.di mit regionalen Verhandlungsversuchen gerüttelt hatte.

Der Tarifabschluss bedeutet aber noch längst kein Verhandlungsende: Über eine Reform des Manteltarifwerks wären wir gern schon zu einer Einigung in dieser Tarifrunde gekommen. Umso wichtiger ist es, dass ver.di sich verbindlich zu Verhandlungen verpflichtet hat und im Falle des Misserfolgs wieder der gekündigte Zustand eintritt. Das ist ein kleiner Erfolg. Es geht nicht nur um Kostensenkungen, sondern auch um ein moderneres Regelwerk. Neuregelungen sind dringend geboten. Ab Juni werden wir uns mit ver.di treffen, um doch noch eine Einigung zu erzielen. Wir haben die Erwartung an ver.di, sich den Realitäten in der Druckindustrie nicht länger zu verschließen.