Di 18.08.09

Alles-Seher


Chemiefreie Offsetdruckplatten finden immer mehr Verbreitung. Ihre Bebilderungs- und Konditionierungstechnologien unterscheiden sich erheblich. Vier Fabrikate, darunter zwei der Top-Produkte in diesem Marktsegment, erschweren auf Grund ihres schwachen Kontrastes die Druckplattenmessung. Das Plattenmessgerät Techkon Spectroplate schafft mit der Option All-Vision Abhilfe.

Die Kodak Thermal Direct Non Process Plate gehört zu den am weitesten verbreiteten Chemiefrei-Platten. Sie basiert auf der Thermofusionstechnologie und wird erst in der Druckmaschine von den ungehärteten Schichtresten befreit. Einen so schönen Kontrast wie auf diesem Bild aus der Kodak-PR-Abteilung bietet die Platte in der Praxis leider nicht.


Die Kodak Thermal Direct Non Process Plate gehört zu den am weitesten verbreiteten Chemiefrei-Platten. Sie basiert auf der Thermofusionstechnologie und wird erst in der Druckmaschine von den ungehärteten Schichtresten befreit. Einen so schönen Kontrast wie auf diesem Bild aus der Kodak-PR-Abteilung bietet die Platte in der Praxis leider nicht.

Wegfall des Films
Die direkte, d. h. filmlose Druckplattenbebilderung schloss vor vielen Jahren die letzte "analoge Lücke" in der digitalen Druckvorstufe. Es prägten sich zwei grundlegende Verfahrenswege aus: Computer-to-Plate im Plattenbelichter - kurz "CTP" genannt - und in der Druckmaschine, wofür der Pionier Presstek den Begriff "Direct Imaging (DI)" prägte. Dadurch fiel der Zwischenschritt Film weg, der bis dahin als Kopiervorlage auf die Druckplatte gelegt werden musste. Die DI-Platten von Presstek waren sogar die ersten Druckplatten, die ohne Chemikalien in der Druckmaschine in einen druckfertigen Zustand versetzt wurden.

Wegfall der Filmmessung
In der CTP-Technologie entfielen mit dem Film die Filmbelichter, die Entwickler- und Fixierchemie - und die Kontrolle der Tonwerte mit Hilfe von Durchlichtdensitometern. Es mussten Messgeräte entwickelt werden, die unmittelbar auf der Druckplatte messen konnten, um die Linearisierung des Plattenbelichters bzw. die gezielte Tonwertzuwachs-Kompensation in der Druckvorstufe kontrollieren zu können. Wesentlich genauer und reproduzierbarer als ein Auflicht-Farbdensitometer können dies Plattenmessgeräte.
Plattenmessgeräte führen auf Grund des Kontrastes zwischen den hellen Nichtbildbereichen und den dunklen Bildbereichen eine geometrische Bildanalyse durch. Dabei setzte Techkon von Anfang an Qualitätsmaßstäbe mit dem Digital Microscope DMS 910. Es war das erste Plattenmessgerät, das mit einem CMOS-Farbsensor arbeitete und somit bei jeder Plattenfärbung mit dem optimalen Kontrast messen konnte. Seit über einem Jahr gibt es mit dem Techkon Spectroplate einen weiterentwickelten Nachfolger in den Versionen Start und Expert. Auffälligste Unterschiede zum DMS 910 sind das Display, das nun auch eine autarke Messung (d.h. unabhängig von einer Verbindung mit der PC-Software) zulässt, und das ergonomische Design, das vom Spektral-Densitometers Spectrodens übernommen wurde.
Intern ist das Spectroplate auf die Fogra-Referenz FMB (Fogra Measuring Bar) kalibriert, wodurch - im Gegensatz zu anderen Plattenmessgeräten - vor den Messungen keine zeitraubende Kalibrierung mehr nötig ist sowie die Absolutgenauigkeit erhöht und die Exemplarstreuung erheblich verringert wird.

Wegfall der Chemie
Immer mehr Verbreitung finden Offsetdruckplatten, die ohne den Einsatz von Chemikalien und einen entsprechenden Entwicklungsprozess druckfertig gemacht werden. Die älteste Technologie ist die Therrmolaserablation, die von Presstek im Zuge der Entwicklung der DI-Bebilderungsköpfe für die Heidelberg Quickmaster DI 46-4, die KBA 74 Karat und ähnliche Maschinen erfunden wurde. Nicht viel jünger ist die Thermofusion, die erstmals von Agfa mit der DI-Platte Thermolite realisiert wurde. Bei der Thermofusion werden relativ lose sitzende Polymerkügelchen zu einer homogenen Schicht verschmolzen. Eine dritte Möglichkeit ist das Bedrucken des Trägermaterials mit den später Farbe führenden Schichtelementen - entweder Toner aus dem Laserdrucker oder "Liquid Dot" aus dem Inkjet-Drucker. Zurzeit rechnen sich Chemiefrei-Platten vor allem im Klein- und Halbformat, aber auch bereits im Mittelformat, wie die Verkaufszahlen der Plattenhersteller belegen. Ihren Siegeszug im Mittel- und Großformat werden sie jedoch erst antreten, wenn sie sich auch in Violettbelichtern bebildern lassen. Denn dann werden sie auch für die Zeitungsindustrie interessant.

Wegfall der klassischen Entwicklung
Allen Chemiefrei-Platten gemeinsam ist, dass kein latentes Bild mehr entsteht, das erst noch entwickelt werden müsste. Stattdessen sind die oleophilen Eigenschaften (d. h. die Fähigkeit, Druckfarbe annehmen und übertragen zu können) der druckenden Elemente sofort oder sehr schnell nach der Plattenbebilderung ausgeprägt. Mit der anschließenden Konditionierung für den Druck werden dann noch in den nichtdruckenden Bereichen die hydrophilen Eigenschaften (d.h. die Fähigkeit, Feuchtmittel annehmen und damit die Druckfarbe verdrängen zu können) bzw. bei Wasserlosoffsetplatten die oleophoben Eigenschaften (d. h. die Fähigkeit, die Druckfarbe abstoßen zu können) aufgebaut. Einige dieser Chemiefrei-Platten werden zusätzlich mit der Bezeichnung "prozesslos" vermarktet. Das bedeutet allerdings nur, dass der klassische, an die Chemie geknüpfte Entwicklungsprozess entfällt. Es bleibt nach wie vor die erwähnte Konditionierung, nämlich das Entschichten und/oder das Gummieren. Mit Entschichten ist das Befreien von ungehärteten Schichtresten in den Nichtbildbereichen gemeint, z. B. durch Auswaschen, beim Gummieren oder durch Freilaufen in der Druckmaschine mit Hilfe der Feucht- und/oder Farbwalzen. Bedruckte Platten erhalten ihre Konditionierung durch Wärmefixierung oder Trocknung. (Mehr in Print 6/2007)