Mi 24.11.10

EU-Studie zur Druck-Strukturkrise liegt jetzt vor


Die europäische Druckindustrie befinde sich mitten in einer strukturellen Krise, die zu signifikanten Veränderungen in der Branche führen werde. Dies ist ein Ergebnis der EU-Studie „Druckindustrie in Europa“, die am 23. November in Brüssel vorgestellt wurde.

Die von der Europäischen Kommission unterstützte Studie zur sozialverantwortlichen Restrukturierung in der europäischen Druckindustrie stellt laut einer Mitteilung des Bundesverbandes Druck und Medien (BVDM) fest: Überkapazitäten und Preiswettbewerb betreffen die gesamte Branche. Die veränderte Mediennutzung der Verbraucher schwächt die Nachfrage nach Druckerzeugnissen weiter. Dies wird auch Auswirkungen auf die Beschäftigtensituation haben.
Allerdings sehen die Partner des unter Federführung von Intergraf geleiteten Projektes auch Chancen. Voraussetzung sei, dass Unternehmen bereit und in der Lage seien, neue Technologien zu nutzen und sich neue Märkte zu erschließen. Die strukturellen Änderungen in der Branche würden daher künftig von Betrieben und Beschäftigten gleichermaßen zusätzliche Flexibilität erfordern. Mehrfachqualifikationen und ständige Weiterbildung der Beschäftigten würden notwendig sein, um den Anforderungen der neuen Technologien gewachsen zu sein, so die Steering-Group bei der Vorstellung der Studie in Brüssel.
Um das volle Potenzial ihres Marktes zu erschließen, müssten Druckbetriebe ihre Stabsfunktionen im Management, dem Marketing und in der Verkaufsabteilung stärker auf die Anforderungen ausrichten. Notwendige Restrukturierungen sollten umsichtig durchgeführt und in guter Kommunikation mit den Mitarbeitern erfolgen. Kooperation und Kommunikation sollten die Schlüsselgrößen des Restrukturierungsprozesses sein, lautet der Appell von Facta Consult. Das britische Forschungsunternehmen erstellte im Auftrag der Steering Group die nun vorgelegte EU-Studie.
Der BVDM begrüßt die genannten Vorschläge, verwahrt sich allerdings gegen jegliche Einmischung der EU-Kommission zur Kapazitätsreduzierung in der Druckindustrie. BVDM-Hauptgeschäftsführer Dr. Paul Albert Deimel: „Deutschland und seine Industrien sind marktwirtschaftlich orientiert. Eingriffe in den Markt und verzerrende Subventionen können zu Marktversagen, aber nicht zur Verbesserung der Marktsituation führen.“
Die komplette EU-Studie und ein praktischer Handlungsleitfaden für Betriebe wurden auf der Konferenz in einer englischsprachigen Fassung vorgestellt. Präsentiert wurden auch Best-Practice-Beispiele, Kundenperspektiven und Unternehmensberichte über Innovations- und Diversifikationserfahrungen. Die deutsche Version des Berichtes wird Ende des Jahres auf der Projektseite http://www.intergraf.eu/responsible_restructuring kostenlos elektronisch zur Verfügung gestellt, ebenso eine französische und italienische Übersetzung.
Basis des Berichtes sind zwei Workshops mit Unternehmen verschiedener Größenklassen, über 50 Interviews, unter anderem mit Zulieferern und Kunden sowie eine Internetbefragung von Druckunternehmen vorwiegend aus Westeuropa. 
Partner des EU-Projektes waren neben Intergraf der Bundesverband Druck und Medien für Deutschland, die Arbeitgeberverbände der Druck- und Medienindustrie in den Niederlanden (KVGO) und Italien (Assografici), nationale Gewerkschaftsverbände wie für Deutschland Verdi, Trade Unions FISTEL-CISCL (Italien), Unite (Großbritannien) sowie der europäische Gewerkschaftsdachverband Uni Europa Graphical.