Di 22.02.11

Drucker müssen das Potenzial von Software erkennen


Für Druckdienstleister sind die Zeiten nach wie vor hart. Die Situation am Markt und in der Gesellschaft zwingt Unternehmen dazu, ihre Geschäftsstrategie zu verändern und den modernen Bedingungen der schnelllebigen, digitalen und kommunikationsorientierten Welt anzupassen. Dabei liegt die Lösung liegt nicht einfach in der Erweiterung von Kapazitäten. Die Antwort liegt in der IT – das hat jetzt auch die WKS Druckholding in Essen begriffen. Seit kurzem setzt die Gruppe eine MIS-Lösung von DiMS! erfolgreich ein. Mit dem Einsatz der Software verfügt der klassische Druckereibetrieb über ein zentrales Werkzeug zur Planung, Überwachung, Kontrolle und Analyse aller Prozesse rund um den Druck.


Ralph Dittmann, Geschäftsführer der WKS Druck Holding: "Die Implementierung von DiMS! hat unsere Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe von Grund auf umgekrempelt. Es gibt keinen Bereich, den das System nicht erfasst."

Management-Informationssysteme (MIS) waren in der Druckbranche bisher hauptsächlich für Kostenkalkulationen und Bestandskontrollen zuständig. Dabei können sie viel mehr. Sie helfen dabei, die Prozesse optimal zu gestalten, die Mitarbeiter durchgängig zu informieren und in die Verantwortung zu ziehen und somit das Beste aus Maschinen und Menschen herauszuholen. Jedoch ist es nicht so leicht Druckdienstleister davon zu überzeugen, dass die Implementierung von moderner und effektiver Software der Weg in die Zukunft ist, denn normalerweise sind es Maschinen, die ihren Puls in die Höhe schlagen lassen, nicht Datenbanken oder Software-Lösungen.

Annemieke Marneth, Chief Operating Officer des Niederländischen MIS-Anbieters DiMS! sieht das ähnlich:
„Eine unserer größten Herausforderungen besteht darin, Druckunternehmen für eine neue Software genauso zu begeistern, wie sie es beim Anblick einer neuen Druckmaschine sind.” DiMS! ist einer der fünf größten Anbieter von Management-Informationssystemen in Europa und arbeitet mit Kunden aus dem gesamten Druckbereich zusammen, um die Effizienz und Produktivität ihrer Abläufe zu optimieren. Unternehmen wie die Roto Smeets Group (Niederlande), Brown Printing Company (USA), Burda Druck (Deutschland), PMP Limited (Australien), Mayr-Melnhof (Österreich), Corelio (Belgien) and Paarl Media Group (Südafrica) setzen heute mit großem Erfolg die integrierten DiMS!-Lösungen ein.


John Caris, bis vor kurzem CEO der Roto Smeets Group, erklärte: „Wir nutzen DiMS! in allen unseren Produktionsstätten seit fünf Jahren und wären ohne das System nicht so stark, wie wir es heute sind.” John Caris ist überzeugt, dass sich die großen Druckereien in Richtung automatisierter und industrialisierter Prozesse bewegen muss, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. 

Software diszipliniert und verändert Abläufe
Missioniert von der Software wurde kürzlich auch die Essener Westend Druckereibetriebe GmbH. Einst Teil der Thyssen-Krupp Gruppe hatte das Unternehmen im Jahre 2006 ein Management Buy-Out hinter sich und im Jahre 2009 mit der Kraft-Schlötels GmbH in Wassenberg ein weiteres Produktionswerk aufgekauft. Heutiger Geschäftsführer der als „WKS Druck Holding“ firmierenden Gruppe ist Ralf Dittmann. Der Branchenquereinsteiger ist überzeugt, dass Schritte in Richtung Automatisierung und 
Industrialisierung sinnlos sind, wenn man seine eigene Einstellung und die interne Organisation einer Druckerei nicht entsprechend ändert. „Die Implementierung einer MIS-Lösung wie die von DiMS! bedeutet eine komplette Veränderung des Unternehmens“, so Ralph Dittmann, der in seinem Betrieb einschneidende Umstellungen gemeinsam mit seinem Team durchgeführt hat. Seit Anfang des Jahres 2009 wird bei WKS stufenweise das Management-Informations-System DiMS! eingeführt. Die Rollenoffsetdruckerei hat damit unter anderem Kalkulaktion, Einkauf, Auftragswesen und Logistik vernetzt. „Nichts ist an seinem Platz geblieben: Die Implementierung von DiMS! hat unsere Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe von Grund auf umgekrempelt. Es gibt keinen Bereich, den das System nicht erfasst", erklärt Ralph Dittmann.

Die digitale Plantafel ist Realität
Heute wird jede Rollenoffsetdruckmaschine bei WKS in Essen und in Wassenberg durch das Hauptsystem der DiMS!-Software-Lösung mit Betriebsdaten gefüttert und kontrolliert. Die Druckjobs werden beim Disponenten per Mausklick in eine digitale Plantafel eingefügt, geplant und überwacht. Neben der Laufgeschwindigkeit der Maschinen wird unter anderem aufgezeichnet, wie viele Papierrollen verbraucht werden und es werden genaue Informationen über den Produktionsstatus und -ablauf gesammelt. Diese werden mit dem Produktionsplan verglichen, so dass das Unternehmen anhand der Live-Informationen Anpassungen vornehmen und Unterbrechungen reduzieren kann. Die gleichen Daten stehen den Vertriebs- und Verwaltungsteams zur Verfügung. Dies schafft besonderes Vertrauen und hilft den Mitarbeitern beispielsweise bei Gesprächen mit Kunden, da sie sich jederzeit einloggen können, um den Status der Maschine und damit den des Druckjobs abzufragen.

Organisation und Produktion ist standortunabhängig
Ralph Dittmann hat den Produktionsbereich von der Verwaltung getrennt und zwei Produktionsfirmen und eine Vertriebsfirma gegründet, die für beide Produktionen – die in Essen und die in Wassenberg – zuständig ist. Durch die digitale Vernetzung können die Mitarbeiter von jedem beliebigen Standort aus operieren, selbst wenn er viele Kilometer von der Produktion entfernt ist – alle Informationen sind im gesamten MIS-Netzwerk verfügbar. „Wir haben unseren Informationsengpass überwunden, indem wir ein hoch effektives Kommunikationssystem eingeführt haben”, freut sich Ralph Dittmann. „Vorher hatten nur wenige Personen Zugriff auf die Informationen, heute sind sie allgemein und von jedem PC-Zugang verfügbar.”

Kapazitäten reduziert – Auslastung gesteigert
Die Westend Druckereibetriebe GmbH hat sich auf den Druck von Beilagen spezialisiert, die mit einer Geschwindigkeit von 40.000 Umdrehungen/h auf kostengünstigem Papier unter anderem auf eine 80 Seiten Lithoman-IV-Maschine gedruckt werden. Mit Hilfe von Barcodes liest das MIS-System Papierrollen und Druckplatten ein und leitet diese Daten an die elektronische Plantafel weiter. So kann der Disponent die anstehenden Druckjobs auf die verschiedenen Maschinen zentral und bestmöglich verteilen. Ziel sei eine Auslastung von 130% auf die insgesamt acht Rotationsmaschinen in der Gruppe, so Dittmann. Die gesteigerte Effizienz hat Dittmann bereits ermöglicht, indem er im vergangenen Jahr eine 16-Seiten und eine 32-Seiten Rollendruckmaschine aus jeder Produktionsstätte stillgelegt und damit das Kontingent des Unternehmens von 12 auf 8 Maschinen reduziert hat.

Misstrauen der Mitarbeiter ausräumen
Die Umsetzung dieser Veränderungen erforderte allerdings auch eine komplett neue Einstellung der Mitarbeiter. „Sie brauchen Personal, das bereit ist, effizienter zu arbeiten, um die Leistung des Unternehmens zu steigern”, bekräftigt Ralph Dittmann. „Vertrieb und Verwaltung arbeiten seit 20 Jahren nach dem gleichen Prinzip. Doch heute müssen sie flexibel sein und sich den neuen Anforderungen des Unternehmens anpassen." Im Zuge der MIS-Implementierung wurden einige Jobs bei WKS gestrichen.
Auch bei Roto Smeets wurden Jobs gestrichen, die Gruppe hat in den letzten Jahren 
von 2.800 auf 1.800 Mitarbeiter verkleinert. John Caris erklärt: „Ich musste meinen Mitarbeitern beibringen, dass sie sich mit verändern müssen. Zunächst herrschte bei vielen eine große Unsicherheit gegenüber unseren Plänen und Zielen und nicht alle Mitarbeiter waren in der Lage sich diesen Herausforderungen zu stellen. Als die Vorteile jedoch offensichtlich wurden, dauerte es nicht lange, bis die meisten auf den Zug aufsprangen.”

Mit MIS investiert man in eine neue Organisation
Gerard Marneth, CEO bei DiMS! bekräftigt die wichtige Rolle der Unternehmensführung bei der Einführung von MIS: „Es ist wichtig, dass sich der Chef mit dem Implementierungsprojekt befasst, denn wir verkaufen ein neues Unternehmen, eine neue Organisation, ein neues Geschäftsmodell 
– und das sollte der Geschäftsführer des Unternehmens kaufen und nicht der Kalkulator. Die meisten Unternehmen haben bereits ein System, das sie im Laufe der Zeit aufgebaut haben. Doch diese alten Systeme sind nicht darauf ausgerichtet, die Herausforderungen von heute zu meistern. Man kann es mit einem Auto vergleichen, das seit 50 Jahren fährt und mit einem modernen Fahrzeug mithalten soll. Man muss regelmäßig in IT investieren.”
Annemieke Marneth erklärt, dass die Implementierung eines MIS-Systems eine Partnerschaft voraussetzt und der Beginn einer langfristigen Geschäftsbeziehung sei. „Man kann nicht alles gleichzeitig machen und sollte nicht warten, bis alles aufgestellt ist.“ Man könne davon ausgehen, dass der ROI immer innerhalb eines Jahres da sei – je größer das Projekt desto schneller sei der ROI möglich.