Mo 15.08.11

KBA: Umsatz und Ergebnis gegenüber Vorjahr verbessert


Durch das starke Asien-Geschäft und die gestiegene Investitionstätigkeit in Deutschland und anderen Ländern Europas und Lateinamerikas verbuchte der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer AG (KBA) im ersten Halbjahr 2011 ein beachtliches Bestellvolumen von 682,9 Mio. €. Der von hohen Auftragseingängen zur internationalen Fachmesse IPEX geprägte Vorjahreswert von 679,3 Mio. € wurde sogar leicht übertroffen, obwohl einige größere Bestellungen für Rotationsanlagen und Sondermaschinen erst im Juli 2011 eingingen. Der Konzernumsatz lag mit 509,7 Mio. € um 7,7 % über dem Vorjahr (2010: 473,2 Mio. €). Der Auftragsbestand Ende Juni übertraf mit 614,0 Mio. € den Vorjahreswert um 13,5 %.


Die aktuellen Zahlen von KBA liegen über dem Branchentrend.

Der Umsatzzuwachs und die Kosteneinsparungen aus dem seit 2009 laufenden Konsolidierungsprogramm führten gegenüber 2010 zu einer deutlichen Verbesserung des Betriebsergebnisses von –18,9 Mio. € auf –7,3 Mio. €. Bei einem Finanzergebnis von –3,7 Mio. € verbesserte sich das zur Jahresmitte noch negative Vorsteuerergebnis (EBT) gegenüber 2010 um die Hälfte auf –11,0 Mio. €. Aus dem Konzernergebnis von –14,7 Mio. € (2010: –20,3 Mio. €) errechnet sich ein anteiliges Ergebnis je Aktie von –0,89 €.

Die Ergebnisentwicklung im zweiten Quartal wurde belastet von einer weniger profitablen Umsatzstruktur, höheren Tariflöhnen, den Folgen des Streiks im Werk Frankenthal und hohen Vorlaufkosten für zur Branchenmesse drupa 2012 geplante Produktneuheiten. Im zweiten Halbjahr erwartet das Management eine signifikante Ergebnisverbesserung.

Starke Finanz- und Bilanzrelationen

Trotz gewachsener Vorräte für noch anstehende Auslieferungen übertraf der operative Cashflow mit 32,3 Mio. € wesentlich den Wert des Vorjahres (–18,1 Mio. €). Damit konnten die Auszahlungen für Investitionen gedeckt und der freie Cashflow kräftig auf 15,4 Mio. € gesteigert werden. Dazu kommen neben ausreichenden Kreditlinien liquide Mittel von 104,8 Mio. €. Nach Abzug der auf 40,2 Mio. € reduzierten Bankschulden errechnet sich eine Nettoliquidität von 64,6 Mio. €. Die Eigenkapitalquote erreicht überdurchschnittliche 39,1 % der Bilanzsumme.

29,6 % Umsatzplus bei Bogenmaschinen
Die Bestellungen im Geschäftsbereich Bogenoffsetmaschinen lagen von April bis Juni 2011 mit 168,6 Mio. € über den drei vorangegangenen Quartalen. Über die gesamte Berichtsperiode wurden Aufträge für 310,1 Mio. € gebucht, 2,1 % mehr als im Vorjahr (303,6 Mio. €). Im Segment Rollen- und Sondermaschinen erreichten die Neuaufträge mit 372,8 Mio. € nicht ganz den Vorjahreswert von 375,7 Mio. €. Einige größere Geschäfte mit Zeitungs-, Akzidenzdruckern und Kunden für Sondermaschinen kamen erst nach Quartalsende zum Tragen. Der Umsatz im Bogensegment legte gegenüber 2010 um 29,6 % auf 258,2 Mio. € zu. Dagegen unterschritten die Erlöse bei den Rollen- und Sondermaschinen mit 251,5 Mio. € den Vorjahreswert um 8,2 %. Der mehrwöchige Streik am Standort Frankenthal hat zu Lieferverzögerungen geführt. Zum Halbjahresende standen bei Bogenoffsetmaschinen 9,2 % und bei Rotationsanlagen und Sondermaschinen 15,9 % mehr Aufträge in den Büchern.


Wieder mehr Geschäft im europäischen Ausland

Bei einem gegenüber 2010 um rund 15 % höheren Inlandsumsatz reduzierte sich die Exportquote auf 85,3 %. Ins europäische Ausland gingen 37,1 % der Lieferungen (2010: 29,5 %). Trotz der Steigerung lagen diese angesichts der anhaltenden Wirtschaftsprobleme in Südeuropa, UK und anderen Ländern weiter unter dem langjährigen Mittel. Der Umsatzanteil der Region Asien/Pazifik legte, getrieben durch China, von 27,0 % auf 28,4 % zu. Dagegen sank die Quote Nordamerikas durch die Investitionszurückhaltung bei Rollenrotationen auf 8,3 % (2010: 11,6 %). Auf Lateinamerika und Afrika entfielen 11,5 % des Konzernumsatzes.

Konsolidierung der Rollenstandorte vereinbart
Zum 30. Juni 2011 beschäftigte die KBA-Gruppe trotz der leichten Erweiterung des Konsolidierungskreises 6.371 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 74 weniger als im Vorjahr. Angesichts der verhaltenen Marktperspektiven bei Rotationsanlagen wurde mittlerweile mit den Arbeitnehmervertretern und der IG Metall eine sozialverträgliche Kapazitätsanpassung an den Rollenstandorten Frankenthal, Trennfeld und Würzburg um insgesamt gut 500 Planstellen vereinbart. Mittelfristig wird die Beschäftigtenzahl im Konzern unter 6.000 sinken.

Prognose für 2011 bestätigt
Im Halbjahresbericht weist der KBA-Vorstandsvorsitzende Helge Hansen darauf hin, dass die Neuausrichtung beider Geschäftsbereiche auf die veränderten Marktperspektiven schon gut vorangekommen ist. Das Management hat aber noch einige Aufgaben zu lösen. Der Vorstand hält trotz des instabiler gewordenen wirtschaftlichen Umfeldes an seinen Zielen für 2011 fest. Diese beinhalten ein einstelliges Umsatzwachstum und eine moderate Verbesserung des schon in 2009 und 2010 positiven Konzernergebnisses vor Steuern. Bei seiner Prognose setzt das Management allerdings voraus, dass sich aufgrund der aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten die Lage der Weltwirtschaft und das Investitionsverhalten der Druckbranche nicht über das Bekannte hinaus verschlechtern.

Neben der an den Rollenstandorten laufenden Personalanpassung wird KBA durch zwei Gesellschaftsausgründungen die Kapazitäten im Werk Frankenthal für externe Auftraggeber und Investoren öffnen und neben der neuen Digitaldrucksparte einige Verantwortungsbereiche für Bogenoffset- und Sondermaschinen von der sehr gut ausgelasteten österreichischen KBA-Mödling AG ins Stammwerk Würzburg verlagern.


Der Halbjahresbericht steht als PDF-Download zur Verfügung unter
http://www.kba.com/de/investor/berichte/11.html