Di 05.07.16

Experten auf der Drupa 2016: Personalisierung und Komfort als Antrieb für künftiges Wachstum bei Verpackungen


Es muss mehr getan werden, wenn die Verpackungsbranche beim weltweiten Umsatz die 1-Billion-Dollar-Marke knacken soll

Die Fähigkeit von Drucker- und Verpackungsherstellern, mit den sich ändernden Kundenbedürfnissen, wie z. B. durch den Digitaldruck ermöglichte personalisierte Verpackungen oder die Nachfrage nach edlen und nachhaltigen Materialien, Schritt halten zu können, wird der Schlüssel für den langfristigen Erfolg der Branche sein. Das war die Ansicht einer Expertengruppe, die von Asia Pulp & Paper (APP) auf die Drupa 2016 eingeladen wurde. Im Rahmen der Fachmesse wurde über die Möglichkeiten diskutiert, wie die weltweite Branche bis 2020 die 1-Billion-Dollar-Marke beim weltweiten Umsatz knacken kann1.

In ihren Beiträgen legten Dr. Liz Wilks von APP, Dominic Cakebread, Packaging Consultant bei Smithers Pira, und Michael Tobin, Managing Director der W. Hinderer GmbH, ihre Ansichten über die wesentlichen Einflussfaktoren hinter dem zukünftigen Wachstum bei der Nachfrage nach Verpackungsprodukten dar.

Dr. Liz Wilks, European Director Sustainability and Stakeholder Engagement für Asia Pulp & Paper, erläuterte die wachsende Rolle des Luxussegments als Einflussfaktor für den Wachstum und betonte gleichzeitig die Wichtigkeit eines nachhaltigen Ansatzes im Bereich Verpackungen.

„Man muss bereits zu Beginn eines Prozesses an das Lebensende eines Produkts denken. Bei Verpackungen von Luxusartikeln sehen wir Wachstum bei Papier und Karton, das von zahlreichen Faktoren, vom Design und Griff über die Eignung für eine Vielzahl von Drucktechniken bis hin zu den Referenzen bei der Nachhaltigkeit, angetrieben wird“.

Dr. Wilks erläuterte, dass der Digitaldruck auch eine Reihe neuer und spannender Druckanwendungen eröffnen wird. „Wenn man sich hier auf der Drupa umsieht, scheint die Richtung dahin zu gehen, dass der Digitaldruck in eine Branche vordringt, die bisher noch stark vom Offset-Druck dominiert wird. Das Aufregende dabei ist, dass er nicht nur bezahlbare kurz- und mittelfristige Auflagen, sondern auch die Aussicht auf individuell einzigartige Drucke in größerem Rahmen und im Verpackungsmarkt eröffnet. Dadurch könnte die personalisierte Verpackung, mit der Coca-Cola bereits experimentiert hat, aus der Nische in den Mainstream vordringen.

Dr. Wilks zog den Schluss, dass ein wesentlicher Einflussfaktor für das aktuelle Wachstum die florierende Nachfrage nach mehr Fertiggerichten ist.

„Bis 2050 könnten uns weltweit über 9 Milliarden Verbraucher gegenüberstehen und mehr Menschen als jemals zuvor werden in Städten ein arbeitsreiches Leben führen, in dem Zeit ein besonders wertvoller Faktor ist. Das wird zu mehr Nachfrage von Food-Service für den Außer-Haus-Markt und Mitnahmeverpackungen führen; in den kommenden Jahren werden findige Markenhersteller erwägen, sich in diesen Bereichen zu etablieren.

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass der Markt für Luxusartikel wesentlich zum erwarteten Anstieg des Wachstums in Höhe von 19 Prozent bis 2019 beitragen und einen Markt im Wert von 17,6 Mrd. Dollar schaffen wird2. Für das Wachstum in den Regionen Asien-Pazifik und Süd- und Mittelamerika wird ein Anstieg von sechs bzw. neun Prozent pro Jahr erwartet, da eine neue Verbrauchergeneration beginnt, Verpackungen von Luxusartikeln zu nutzen. Bei den Märkten in Westeuropa und Nordamerika wird hingegen mit einem gesunden Wachstum von drei Prozent gerechnet, das weitgehend durch einen Anstieg in den Sektoren der personalisierten Verpackungen, wie dem Markt für alkoholische Getränke im Premium-Sektor angetrieben wird.

Dominic Cakebread von Smithers Pira schlug darüber hinaus eine stärkere Zusammenarbeit zwischen herkömmlichen Wettbewerbern aus der Kunststoff- und Papierbranche als einen Bereich für künftiges Wachstum vor. „Biologisch abbaubare Kunststoffe gibt es bereits seit langem, aber sie werden bisher noch nicht sehr häufig eingesetzt. Jedoch gibt es wachsende Bedenken angesichts der vom Lebensmittel-dienstleistungssektor erzeugten Abfallmenge. In der Zukunft könnte ein Innovationsbereich in einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen der Papier- und Kunststoffbranche bei der Bewältigung dieser Herausforderungen liegen. Während sich die beiden Branchen möglicherweise bisher noch als Wettbewerber betrachten, gibt es verschiedene Szenarien, in denen die beiden Materialien, insbesondere im Rahmen biologisch abbaubarer Kunststoffe als Alternative zur herkömmlichen PE-Auskleidung für Materialien mit Kontakt zu Nahrungsmitteln, sehr gut zusammen wirken.

Michael Tobin von der W. Hinderer GmbH schloss die Diskussion mit dem Vorschlag, dass die Branche durch den Einsatz biologisch abbaubarer Beschichtungen auf die Nachfrage nach nachhaltigeren Verpackungen eingehen könnte; „PE-Beschichtungen können zwar im Rahmen der Wiederaufbereitung wiederverwendet werden, doch bestehen auf der Seite der Verbraucher gewisse Bedenken, dass diese Produkte auf Deponien endgelagert werden. Hier bietet sich der Branche meiner Meinung nach eine riesige Gelegenheit, zu untersuchen, inwiefern der Einsatz biologisch abbaubarer Beschichtungen neben PE helfen könnte, der Nachfrage der Verbraucher zu entsprechen.