Mi 19.06.19

Nachhaltige Stoff-Produktion made in Germany


Interview mit GtA-Geschäftsführer Andreas Niess


Das Firmengebäude der GtA in Neresheim, GtA | Gesellschaft für textile Ausrüstung mbH

Umweltschutz und unternehmerisches Gewinnstreben werden vielerorts als schwer vereinbar betrachtet. Ein junges Textilunternehmen in der Schwäbischen Alb zeigt, wie es funktioniert und avanciert zum Vorreiter seiner Branche. Andreas Niess von GtA spricht über unternehmerische Verantwortung und Nachhaltigkeit.

Frage: Ihr Unternehmen beschäftigt sich mit der Entwicklung und Ausrüstung von technischen Textilien. Was kann man sich darunter vorstellen?

A. Niess: Wir produzieren gewirkte Textilien für den Digitaldruck. Unsere Stoffe werden in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, beispielsweise in der Werbung, im Messe- und Ladenbau oder im Objektdesign. Sie finden unsere Stoffe als beleuchtete Displays oder als Fahnen und Banner im Innen- und Außenbereich. Aber auch auf Messen und Ausstellungen als Dekoelemente, als Deckenabspannungen oder als bedruckte Kunstobjekte. Diese Einsatzvielfalt erfordert unterschiedliche Materialeigenschaften, also müssen die Stoffe unterschiedlich ausgerüstet sein. Unsere Aufgabe ist es, qualitativ hochwertige Textilien mit spezieller Eignung zu entwickeln und zu produzieren.

Frage: Bei Textilproduktion denkt man nicht unbedingt sofort an den Standort Deutschland, oder?

A. Niess: Leider gibt es bei uns kaum noch Textilveredelungsunternehmen, die in Innovation und Umwelttechnologie investieren und sich weiterentwickeln. Wir tun dies konsequent. Derzeit errichten wir beispielsweise zwei weitere Produktionslinien, die eine Arbeitsbreite von 5,40 m ermöglichen. Es gibt in ganz Europa nur drei Anlagen, die dies können. Auch bei den Themen Umwelt und Ressourcen spüren wir als Produktionsbetrieb eine Verantwortung. Hier muss einfach mehr getan werden.

Frage: Sie haben sich bei Ihrer Gründung „Nachhaltigkeit“ auf die Fahne geschrieben. Was bedeutet das für Sie?

A. Niess: Nachhaltigkeit in der Produktion definiert sich über die Regenerationsfähigkeit der eingesetzten Ressourcen. Da denkt man zunächst mal an Umweltschutz. Dies gilt aber keineswegs nur für die Erhaltung von Umwelt und Natur. Wir leben Nachhaltigkeit auch in Bezug auf die Menschen, also unsere Kunden, Partner und Mitarbeiter. Dazu gehören Ehrlichkeit, gute Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung. Wer Menschen vertrauensvoll und wertschätzend behandelt, investiert in nachhaltigen, gegenseitigen Nutzen. Auch unsere Maschinen behandeln wir nachhaltig und investieren jede Woche sechs bis acht Stunden in Wartung und Reinigung.

Frage: Was bedeutet das konkret für den Betrieb?

A. Niess: Zunächst einmal investieren wir hohe Summen in innovative Umwelttechnologie. 30 Prozent unseres Investitionsvolumens am Standort fließen in Energieeinsparungsmaßnahmen. Und wir sind sicher, dass sich dieses Engagement lohnt. Als Beispiel kann ich unser Wärmerückgewinnungssystem nennen. Damit nutzen wir die Abwärme aus der Prozessabluft und der Brennerabgase. Ohne diese Technik hätten wir eine Ablufttemperatur von 140 - 160°C – mit ihr kommen wir auf 30 - 34°C. So sparen wir 52 Prozent Energie ein, das sind 5.800.000 KwH pro Jahr.

Frage: Gibt es noch weitere Beispiele?

A. Niess: Wir wollen einerseits ressourcenschonend produzieren und andererseits Schadstoffe vermeiden. Das beginnt schon beim Ausgangsmaterial. Als Rohgarn setzen wir teilweise recyceltes PES ein. Das ist in der Branche keineswegs selbstverständlich.

Oder nehmen Sie das Thema Wasser: Um Wasser zu sparen, arbeiten wir mit modernen Finishingverfahren. Dabei behalten wir den ganzen Wasserkreislauf im Blick. Das Oberflächenwasser unserer Gebäude fließt nicht in den Abwasserkanal. Für das Dachflächenwasser haben wir Versickerungsbecken angelegt, um ein Feuchtbiotop zu schaffen. Das Wasser vom Bürodach führt in einen kleinen Teich. Auf unserem Betriebsgelände sind nur die erforderlichen Fahrflächen asphaltiert. Der Rest ist begrünt oder geschottert, damit das Regenwasser auch hier versickern kann.

Frage: Wie sieht es mit der produktionsbedingten Entstehung von Schadstoffen aus?

A. Niess: Wir wollen eine Bereicherung und keine Belastung für unseren Standort sein und setzen auf saubere Produktion. Daher verzichten wir auf lösemittelhaltige Hilfsmittel. Bei den Flammschutzmitteln sind wir die ersten, die komplett(!) halogenfreie Chemie einsetzen. Bei Waschmitteln setzen wir keine Tenside ein, sondern biobasierte Tonerde-Produkte – fein vermahlen und mit großer Oberfläche für den Waschprozess.

Auch CO2 ist ein Thema: Großen Wert legen wir auf unsere Grünanlagen. Für jeden neu eingestellten Mitarbeiter pflanzen wir einen Baum. Daneben haben wir 90 Meter Wildblütenhecke gepflanzt und ein Bienenhotel aufgestellt.

Auch Kontrolle ist wichtig: Wir messen mehr und öfter als der Gesetzgeber vorgibt. Alle drei Monate wird das Abwasser untersucht und die Abluftmessungen lassen wir durch ein unabhängiges Institut messen. Daher weiß ich so genau, dass wir, dank unseres Wärmetauschersystems, rund 1.400.000 kg CO2 im Jahr sparen.

Frage: Welche weiteren Schritte sind geplant?

A. Niess: Für das nächste Jahr planen wir ein Blockheizkraftwerk zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme. Ferner werden wir eine Photovoltaikanlage errichten, die Sonnenstrahlung in elektrische Energie umwandelt. Außerdem planen wir, den ÖKOTEX-Standard 100 zu erreichen; das ist ein Produktzertifikat für schadstoffgeprüfte Textilien im Bekleidungs- und Heimtextiliensektor.

Wir sind davon überzeugt, dass sich dieses Engagement auf lange Sicht auszahlt. Unsere positive Geschäftsentwicklung belegt, dass Nachhaltigkeit und unternehmerische Wirtschaftlichkeit durchaus vereinbar sind.

Danke fürs Gespräch.