Mi 22.07.20

Die Tecnau Libra 800 hilft der Edubook AG, neue geschäftliche Herausforderungen zu bewältigen


2004 als reine Digitaldruckerei gegründet, hat sich die Edubook AG, Merenschwand, konsequent der Book-on-Demand-Produktion verschrieben und setzt auf einen hohen Vernetzungsgrad von Maschinen und Produktionsabläufen. Mit heute 25 Mitarbeitenden ist das Unternehmen Teil der Kalaidos Bildungsgruppe, der größten privaten Schulgruppe der Schweiz, die seit Anfang 2019 zur deutschen Klett Gruppe gehört.


Sergio Nobile, seit Gründung der Edubook AG im Führungsteam und seit Anfang 2019 Geschäftsleiter, sieht den Digitaldruck-Dienstleister mit dem hochflexiblen Book-of-One-Konzept für die Zukunft richtig aufgestellt.


Edubook produziert digital gedruckte Schul- und Lehrbücher, sonstige Bücher, Kataloge, Preislisten und Bedienungsanleitungen, typischerweise in Auflagen bis 1.500 Stück.


Die Tecnau Libra 800 Buchproduktionslinie führt die Arbeitsschritte Abrollen, Längsschnitt mit Strangzusammenführung und Querschnitt, Stapeln, Klebebinden, Umschlagzuführung, Trocknen/Abkühlen, Ausrichten, Dreiseiten-Endbeschnitt und Auslegen vollautomatisch aus.


Die automatisierte Tecnau Libra 800 stellt klebegebundene Bücher und Broschüren her, die von Exemplar zu Exemplar format- und umfangsvariabel sein können. Hier laufen Produkte durch den Abkühlturm, bevor sie dem variablen Dreischneider Libra VT (rechts) zugeführt werden.


Beispiele für Bücher, die Edubook auf der Rollen-Inkjetmaschine druckt und auf der Tecnau Libra 800 Buchproduktionslinie weiterverarbeitet.

Lehr- und Schulbücher sind naturgemäß ein Produktionsschwerpunkt, jedoch erwirtschaftet die Edubook AG etwa 55 % ihres Umsatzes mit Aufträgen von Kunden außerhalb der Bildungsgruppe. Bei den Fremdaufträgen handelt es sich um Kataloge, Preislisten und Belletristik. Die Inhaltsteile dieser Produkte mit Auflagen von 1.500, in seltenen Fällen auch einmal bis zu 1.800 Exemplaren druckt Edubook auf einer Rollen-Inkjetdruckmaschine von Canon. Im Zusammenhang mit der Weiterverarbeitung des Outputs der Inkjet-Maschine war an der drupa 2016 bekannt geworden, dass Edubook bei Tecnau eine vollintegrierte Libra 800 Buchproduktionslinie für die Verarbeitung ab der bedruckten Rolle bestellte.

Anfang 2017 nahm Edubook die vollautomatische Libra 800 in Betrieb. Die Anlage kann klebegebundene Bücher (PUR-Bindung im Fall von Edubook) mit von Exemplar zu Exemplar variierenden Formaten und Seitenumfängen herstellen – und das bei einer maximalen Durchsatzleistung von 800 Büchern pro Stunde.

Im Interview erläutert Edubook-Geschäftsleiter Sergio Nobile, welche Bedeutung das Thema Book-of-One (Produktion von Büchern in Auflage 1) für das Unternehmen erlangt hat und wie diese Produktionsweise mit der Libra 800 Anlage von Technau realisiert wird.

Welche grundsätzlichen Erwägungen gingen Ihrer Entscheidung zur Investition in die Libra 800 voraus?
Wir hatten schon seit 2015 Überlegungen angestellt, ob künftig die Produktionsart Book-of-One verlangt werden würde. Auslöser dafür waren Anfragen unseres größten Kunden nach immer geringeren Auflagen. Das ging von 300er-Bestellmengen über 150, 100 und 50 bis schlussendlich zu Auflagen in Klassen- oder Kursstärke.
Dafür suchten wir eine geeignete Buchproduktionslinie. Uns kam es bei der Anlage auf eine möglichst geringe Einrichtzeit an. Außerdem sollte sie denselben oder einen höheren Durchsatz bieten als unsere bisherige Produktionsweise mit zwei Klebebindern, und natürlich wollten wir die bis dahin verwendeten Papiere auch weiterhin verarbeiten können.

Was waren die wichtigsten Gründe für Ihre Wahl der Libra 800?
Uns schwebte eine Anlage vor, die keine Bogen falzt, sondern eine Einzelblattproduktion ermöglicht. Wir wollten nämlich dem Kunden nach wie vor die Flexibilität bieten, die Umfänge seiner Produkte in 2-Seiten-Sprüngen festzulegen und nicht am Schluss noch „Notizseiten“ oder Vakatseiten einfügen zu müssen. So kamen wir auf Tecnau, die auch auf unsere speziellen Wünsche eingingen. Eine Anforderung unsererseits war zum Beispiel, dass der Endbeschnitt der Bücher im Dreischneider mit der Titelseite nach oben, also im Gegensatz zum Standard von Tecnau erfolgt. Das hat Tecnau technisch realisiert.
Wichtig war uns auch, die komplette Anlage aus einer Hand zu erhalten, was bei Tecnau der Fall war. Bei anderen Angeboten waren immer mindestens zwei Player mit von der Partie, und das wollten wir nicht.

Welche neuen Produktionsweisen konnten Sie Ihren Kunden mit der Libra 800 anbieten?
Ganz klar die Auflage 1, aber natürlich in laufend wechselnden Formaten und Buchdicken. Das ist ein eindeutiger Mehrwert gegenüber der traditionellen Produktionsweise mit vielen händischen Zwischenschritten und einem hohen Ausschuss.

Welche Arten von Produkten fertigen Sie auf der Libra 800?
Auf der Libra 800 laufen Schulbücher, Romane, Kataloge und Preislisten. Die Schulbücher sind meistens im A4-Format und haben 40 bis 480 Seiten. Bei Romanen haben wir die verschiedensten Formate: A5, 170 x 240 mm usw. und typische Umfänge von 80 bis 300 Seiten. Bei Katalogen und Preislisten sind es hauptsächlich A4 und A5 hoch und quer bei 32 bis 520 Seiten.
Was die Papierqualitäten angeht, konnten wir mit unseren gewohnten Standardpapieren weiterfahren. Wir verwenden Standard-Offsetpapiere oder leicht gestrichene Papiere mit Grammaturen zwischen 90 und 160 g/m2.

Enthalten die Rollen, die Sie auf der Tecnau Linie verarbeiten, immer homogene Buchformate oder sind diese auf den Rollen gemischt vorhanden?
Das ist je nach Produktionsweg unterschiedlich. Alles, was unsere Produktionsplanung zur Druckmaschine sendet, ist standardisiert. Da versuchen wir natürlich, einheitliche Formate auf den Rollen zusammenzufassen.
Wir haben aber auch unseren Online-Printshop, der derzeit noch auf das B2C-Geschäft beschränkt ist. Aufträge aus diesem Kanal fließen automatisch auf die Druckmaschine, nachdem sie unseren digitalen Workflow durchlaufen haben. Hier haben wir keine Kontrolle, welche Formate, Umfänge und Auflagen nacheinander kommen. Diese bunt gemischten Rollen nehmen wir dann auf die Libra 800 zur Verarbeitung, was reibungslos funktioniert.

Wie viel Personal wird für die Bedienung der Libra 800 benötigt?
Das hängt von den saisonalen Anforderungen ab. Wir haben von Juni bis August unsere Hochphase. In diesen drei Monaten stellen wir mit rund 300.000 Büchern die Hälfte unserer Jahresproduktion her. In den Spitzenzeiten arbeiten eineinhalb Personen an der Anlage, in den restlichen Zeiten nur eine. Der Operator muss verstehen, was die Anlage wann macht, um die Parameter richtig einzustellen, sodass die Anlage im Fluss bleibt.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit Ihres Unternehmens mit Tecnau?
Unsere Zusammenarbeit mit Tecnau würde ich als gut bis sehr gut bezeichnen, der gegenseitige Austausch ist sehr offen.
Anfangs hatten wir Bedenken wegen der Entfernung Italien-Schweiz, es gab ja hierzulande noch keinen Service. Aber dank der Remote-Service-Fähigkeit der Libra 800 haben Spezialisten von Tecnau jederzeit Zugang zu der Anlage und können uns im Bedarfsfall umgehend helfen. Darüber hinaus führt ein Techniker von Tecnau immer wieder vorbeugende Wartungsarbeiten aus. Und durch die seit dem letzten Jahr bestehende Vertriebspartnerschaft von Tecnau mit der Gramag AG in Reiden wird es künftig eine zusätzliche Serviceabdeckung geben.

Wie würden Sie Ihre bisherigen Erfahrungen mit der Libra 800 zusammenfassen und welchen Nutzen hat Ihnen die Investition gebracht?
Die Anschaffung der Libra 800 war eine gute und richtige Entscheidung, die wir wieder so treffen würden. Nicht zuletzt dank der Flexibilität und Effizienz der Anlage konnten wir die Menge unserer produzierten Aufträge seit Januar 2017 bis April 2020 um 40 % steigern – ohne den Personalbestand zu erhöhen.

Welche Entwicklung erwarten Sie für die Edubook AG in den kommenden vier Jahren?
Mit unserem Konzept „Auflage 1“ sehen wir uns auf dem richtigen Weg. Gerade das Lernen wird noch individueller werden, man wird künftig stärker auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse des einzelnen Lernenden eingehen. Deshalb erwarten wir, dass immer mehr individualisiert wird. Das spricht eindeutig für das Book-of-One, das wir mit der Libra 800 in puncto Druckweiterverarbeitung perfekt beherrschen.
Automatisierung ist ein weiterer Faktor. Gegenwärtig sind unsere Abläufe zu etwa 75 % automatisiert. Unser Ziel ist, in drei bis vier Jahren eine 98-100%ige Automatisierung zu erreichen. Heute kommen Aufträge von Kunden aus dem Industrie-, Verlags- und Finanzbereich über unseren Verkaufsinnendienst in die Produktion. Künftig wollen wir, dass auch diese B2B-Kunden bei Nachdrucken oder Folgeaufträgen ohne Interaktion mit einem Sachbearbeiter online auf den Job gehen und bestellen. Dann wird unmittelbar gedruckt.
Außerdem peilen wir für die absehbare Zukunft die Option „Next-Day-Delivery“ an, bei der die Buchproduktionslinie von Tecnau ebenfalls eine tragende Rolle spielen
wird. Dann wird zum Beispiel ein Student oder Dozent, der heute bei uns online bestellt, morgen das individuell für ihn produzierte Buch zugestellt bekommen.